Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971016
Leider ist die Geschichte des Baues sehr dunkel und zweifel- 
felhaft  Am Anfange des XIV. Jahrhunderts begann man das 
seit den ältesten Zeiten der Republik hier stehende, durch Alte;- 
und Feuersbrünste schadhaft gewordene und entstellte Gebäude 
zu erneuern. Von 1301-1309 wurde der Saal der Wahlen (del 
scrutinio), der aber später wieder ganz neugebaut ist, hergestellt, 
dann in Folge eines Beschlusses vom Jahre 13-10 der Saal des 
grossen Rathes neu gemauert, und demnächst in den Jahren 1342, 
1344,13-19 an anderen Theilen gearbeitet. Dieser Bauzeit schrieb 
man früher den ganzen jetzigen Anssenbau zu und zivar als 
das Werk des Filippo Calendario, welchen Chroniken und Schrift- 
steller des XV. und XVI. Jahrhunderts als einen ausgezeichneten 
Baumeister und Bildhauer und als Erbauer des Palastes nennen, 
und der, wie man weiss, in die Verschwörung des Dogen Marino 
Falieri verwickelt, im Jahre 1355 zum Tode verurtheilt, und an- 
geblich zwischen den Fenstern des Palastes, die er erbaut hatte, 
aufgehängt Wurde. Urkundlich wird nicht er, sondern ein ge- 
wisser Paul Baseggio als Vorsteher (Proto) des Baues genannt; 
indessen steht fest, dass Calendario mit diesem durch die Ver- 
heirathung ihrer Kinder verschwägert war und nach dessen Tode 
als sein Testameutsvollstrecker fungirte, was eine Geschäftsver- 
bindung und Calendarids Theilnahme an der Bauthätigkeit wahr- 
scheinlich macht. Wer aber auch der Meister gewesen sein mag. 
jedenfalls muss dieser Bau bald nach der Mitte des XIV. Jahr- 
hunderts zu einem befriedigenden Abschluss gekommen sein, 
denn 1365 liess der damalige Doge grosse Malereien im Palaste, 
namentlich auch in jenem neugebauten Saale des grossen Rathes, 
ausführen, und ungefähr um dieselbe Zeit wurde ein Beschluss 
ü] Die im Texte erwähnten Urkunden von 1439, 1442 und 1463 hat 
der Abate Cadorin mit Nuten bei Gualandi, Memorie-risguardanti le belle 
arti 1845 abdrucken lassen. Die ausführlichere Schrift desselben Cadorin, 
Pareri di 15 architetti e notizie storiche intorno il Pal. ducale, Ven. 1838 
habe ich nicht erhalten können und mich mit den Auszügen daraus bei Sel- 
vatico S. 108 und bei Mothes I. S. 193 und 253 begnügen müssen. Die 
Annahme, dass Calendario der Urheber der ganzen Faqade gewesen, ver- 
theidigt Cicognara, Storia della Scultura. III. 122 und 353, mit Anführung 
der dafür sprechenden Zeugnisse, namentlich dem des Historikers Egnaziu 
 1553). 
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