Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-971004
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Italienische 
Golhik. 
nommen, der nicht einmal durch architektonische Gliederung ge- 
brochen, sondern als glatte, bloss durch diagonale Streifen farbi- 
ger Steine wrerlig verzierte und mit einer geringen Zahl breiter 
Spitzbogenfenster geöffnete Mauer an den Ecken von einem ge- 
wundenen Stabe eingefasst und oben durch wenig bedeutende 
Zinnen bekrönt ist. Vermöge dieser Einfassung und der ganz 
abweichenden Behandlung von den untern Stockwerken völlig 
gesondert und zu einem selbstständigen Körper zusammenge- 
schlossen, lastet dieser Oberbau wie ein fremdartiger Kubus so 
schwer und erdrückend auf jenen Säulenhallen, dass jeder das 
Missverhältniss fühlt. Aber eben weil dies so stark und auffallend 
ist, kann man es nicht für ein Versehen, sondern nur für eine 
Absicht des Meisters halten, deren Kühnheit dem Beschauer im- 
ponirt und deren Bedeutung ihn wie ein grosses Räthsel fesselt 
und beschäftigt. Unwillkürlich zieht die Phantasie eine Parallele 
zwischen diesem Gebäude und der Republik, deren höchste Ge- 
walt in ihm residirte , die nicht minder ungewöhnlich und räth- 
selhaft, ebenso mächtig und doch wieder mit manchem Bedenk- 
lichen behaftet in der Geschichte dastehet. Unzählige haben der 
Versuchung nicht widerstanden, den Vergleich weiter auszuma- 
len, in jener derben weit geöffneten Säulenhalle des Erdge- 
schosses die Naturkraft der Republik, den Reichthum, die Volks- 
menge und dann wieder die bequeme Zugänglichkeit des Han- 
delsstaates, in den schlanken Säulen und dem künstlichen M aass- 
werk der zweiten Gallerie den Adel mit seiner edeln Sitte und 
Gewandtheit, als die hervorragendste und anziehendste Erschei- 
nung des Ganzen, zu sehn, der dann mit ritterlicher Leichtigkeit 
die schwere Last des Staates, das hinter der glatten, spielenden 
Aussenseite verborgene Geheimniss seiner Sorgen und Entwürfe 
auf seinen Schultern trägtä-u). Das sind Gedankenspiele, die der 
betrachtende Reisende sich nicht zu versagen braucht, die aber 
schwerlich jemals einen Baumeister bewogen haben werden, sich 
von den Wegen seiner Kunst zu entfernen und den Gesetzen der 
Schönheit und Eurhythmie entgegen zn handeln. Ist jene Aehn- 
lichkeit vorhanden, so muss sie irnwillkürlich, durch Verhältnisse, 
nicht durch künstlerischen WVillen herbeigeführt sein. 
4') Nicht ganz so, aber ähnlich phantasirt Selvatico p. 1241
        

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