Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970984
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Italienische 
Gothik. 
sie von jenen Bogenfriesen auf den Gedanken freien Maasswerks 
gebracht sein sollten. Man kann daher nur annehmen, dass diese 
Anordnung eine spätere, zur Abwechselung von jener mehr orga- 
nischen, erfunden sei. Und noch gewisser ist dies von der dritten 
Art, der sich durchkreuzender Eselsrücken. Aber jedenfalls 
waren sie auch nur Spielarten und jene erste Form erhielt sich 
durch die ganze Dauer der venetianischen Gothik, bis auch sie 
durch die Renaissance verdrängt wurde. 
Auf die Anordnung des Ganzen hatte die Aufnahme gothi- 
scher Zierformen keinen wesentlichen Einfluss. Sie gab nicht 
bloss keine constructive Anregung, sondern sie trug sogar dazu 
bei, den Ausdruck constructiver Kraft, den die früheren Paläste 
gehabt hatten, zu schwächen. Jene Säulen mit ihren vereinzelten 
unmittelbar in der Wand sich öffnenden überhöheten Rnndbögeu 
gehörten wirklich der Structur an, waren sogar wesentlich 
tragende Theile derselben. Die jetzigen Loggien mit dem ver- 
schlungenen Maaswerk ihrer Arcaden haben nicht die Bedeutung des 
'l'ragens, sondern bilden durch ihre Umrahmung ein in sich abge- 
schlossenes, gleichsam eingesetztes Stück in der Fagade. Indem 
dann die Fenster der Seitentheile mit ähnlichem Maasswerk ver- 
ziert und in gleicher Weise einzeln eingerahmt wurden, erhielt 
man zwar eine deutlichere Bezeichnung des rhythmischen Ver- 
hältnisses der Haupttheile des Gebäudes, aber doch nur durch 
rein decorative, dem Bau nur eingefügte Theile. Dazu kam dann, 
dass die Säulen des Untergeschosses jetzt meistens fortblieben. 
Sei es, dass man wohnliche Räume mit Loggien gern auch in 
der Nähe des Wassers haben wollte, oder dass man diese kräf- 
tige untere Halle mit dem leicht durchbrochenen Oberbau nicht in 
Uebereinstimmung fand, man hielt jetzt häufig den Unterbau ganz 
unscheinbar, gab ihm, namentlich an der Wasserseite, nur einen 
oder mehrere wenig verzierte Eingänge und begann erst über die- 
ser Unterlage den verzierten Oberbau, der so in der That sich zu 
der Wasserfläche ganz ähnlich wie der obere Theil eines Schiffes 
verhielt. Die Italiener betrachten bekanntlich oft die Facade fast 
als die Hauptsache, verwenden alle Zierde nur auf diese Schau- 
seite, Während die hinlern Mauern roh und unverziert bleiben. 
Aber nirgends ist der Faeadenstyl so consequent ausgebildet, wie-
        

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