Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968518
Frei heitsgefühl. 
Diese Unterschiede, obgleich sehr tief einwirkend, waren X 
nun freilich nicht stark genug, die Entstehung einer italienischen 
Nation zu verhindern, aber doch war die Bedeutung dieser Natio- 
nalität eine andre wie bei den germanischen Völkern. Bei diesen 
war ihre Einung eine historische That, man kann sagen ein Werk 
menschlicher Freiheit; Individuen, Genossenschaften, Localitäten 
schlossen sich zuerst freiwillig aneinander an und verwuchsen durch 
stets genährte Anhänglichkeit mehr und mehr. Stammesverwandt- 
Schaft hatte dabei, xiamentlich bei den Anfängen der Nationalbildung, 
einen nicht unerheblichen, die äussere geographische Natur des 
Landes dagegen keinen oder doch nur einen sehr untergeordneten 
Einiluss. In Italien war es umgekehrt; die Menschen fühlten 
keinen Trieb sich zusammenzuschliessen, aber die meerumgrenzte 
Lage des Landes, seine klimatische Verschiedenheit von den Län- 
dern jenseits der Alpen , seine am Boden haftende Vorgeschichte 
gaben ihnen unvermerkt ähnliche Züge und Stimmungen, ver- 
wandte Empfindungen und Bedürfnisse, eine wenigstens an- 
nähernd gleiche und wenn auch langsam reifende Sprache, mit 
einem Worte ein nationales Gepräge, und endlich, sobald der Sinn 
für die Schönheit und alle die unschätzbaren Vorzüge erwachte, 
welche die Natur diesem Lande geschenkt, auch ein ilationales Ge- 
fühl. Allein diese Nationalität war nicht eine selbstgewollte, er- 
strebte Einheit, sondern nur eine gegebene, gegen welche sich der 
Einzelne passiv verhielt und die ihm bei seinem vorherrschenden 
individuellen Selbstgefühle ziemlich fern lag, während die Inte- 
ressen seiner engern Heimath und ihr Gegensatz gegen benach- 
barte Localitäten ihn unmittelbar berührten und bestimmten. Schon 
die Natur bringt in Italien oft in grosser Nähe Verschiedenheiten 
hervor, die auch die Sitten und Neigungen anders bestimmen, 
und noch mehr hatten politische und gewerbliche Rücksichten 
Wetteifer und Feindschaft erzeugt, so dass im innern Verkehre 
die Sonderinteressen und das Abstossende mächtig hervortreten 
und jede umfassende Einigung erschwerten.  
Die deutschen Fürsten hatten seit den 'l'agen Karls des 
Grossen beharrlich versucht, die einzige ihnen bekannte staats- 
rechtliche Ordnung, das Lehnrecht, hier einzuführen. Allein das 
auf persönlicher Treue und dem Lehnseide beruhende System
        

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