Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970930
Palastbau. 
249 
systeme ausgingetl. In der That forderte diese etwas Pikantes. 
Auf dem festen Lande, WO das benachbarte Gebirge oder die reiche 
südliche Vegetation oder doch die buntgekleidete gedrängte Volks- 
menge ein Bild von grosser Mannigfaltigkeit darbot, war die Ar- 
chitektur auf einfache, ruhige, wohlgegliederte Massen ange- 
wiesen. Hier dagegen, der weiten Wasserlläche der Lagunen 
gegenüber, oder in der stillen schattigen Einsamkeit der Kanäle, 
wo nur selten und leise ein Nachen vorbeigleitet, hatte sie die 
Aufgabe, den Mangel des gestalteten Lebens zu ersetzen, reichere 
Formen zu zeigen und zugleich einen Gegensatz gegen das 
VVasser zu bilden, in Welchem sich auch seine Eigenthümlichkeit, 
das Spiel des Lichtes, die kräuselnde Bewegung beim Anhauch 
des Windes irgendwie architektonisch spiegelte. Auch der Ge- 
schmack der Bauherren, die grade jetzt im Orient ausgedehnte 
Besitzungen gewonnen hatten und an fremdartige Erscheinungen 
gewöhnt Waren, forderte etwas Pikantes. Daher versuchte man 
sich auch in orientalischen Details; es finden sich (sogar ein Mal 
über einer innern Thüre der Marcuskirclte) steile gebrochene, aber 
ganz flache Bögen von maurischer Gestalt, auch wohl vereinzelt 
ausgebildete Hufeisenbögeni"). Aber die Kirche hielt an den 
abendländischen Formen fest und die Bauleute standen doch in 
näheren Beziehungen zu dem festen Lande Italiens, wo grade 
damals der Meissel der Steinmetzen sich an den Schwung go- 
thischer Formbildung gewöhnt hatte. Diese behielt denn auch 
zuletzt die Oberhand, aber natürlich nur als eine Decoration und 
zugleich nicht ohne einen Einfluss jenes orientalisireilden und 
pikanten Geschmacks. Unter den Palästen dieses Uebergangs- 
stylesW-f) ist der Pal. Andriolo vielleicht der interessanteste, weil 
daran Säulen mit dem Eckblatt und mit romanisch gebildeten 
 Vgl. den Bogen aus S. Marco bei Selvatico p. 96 und einen Hufeisen- 
bogen vom Pal. dei Polo bei S. Gio. Grisostomo daselbst p. 81. 
"j Mothes p. 147 1T. nennt den P. Priuli, jetzt Zorzi zwischen S. Zec- 
caria und S. M. Formosa, den alten P. Molin unweit S. Moise, Häuser nächst 
der Abbazzia della Micericordia, auf dem Campiello della Feltrina, den ehe- 
maligerl P. Andriolo auf dem Campo S. Angelo, von dem er auch Fig. 50, 51 
Zeichnungen giebt, die Casa. Faiier an Campo SS. Apostoli, ein Haus am 
Campo dei Mori und das in der vorigen Anm. genannte Haus der Familie 
Polo, aus welcher der berühmte Reisende stammte.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.