Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970923
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Italienische 
Gothik. 
Archivolte der Bögen nicht mehr ganz flach, sondern von einem 
starken Bundstabe eingefasst ist, und besonders, dass sie in ihrer 
Aussenlinie die Parallele des Bogens verlässt und auf seinem 
Scheitel sich plötzlich zuspitzt. Es ist das ein ganz willkürlicher 
Schluss des ruhig auf seinen senkrechten Wänden aufsteigenden 
Bogens, der sich nur durch den Wunsch erklären lässt, seine 
ohnehin schlanke Gestalt noch kühner zu machen. Auch sonst 
zeigt sich an diesen Bauten die Neigung zu mehr geschmückten 
und auffallenden Formen. Die Kapitäle haben theils jene byzan- 
tinische Würfelform mit leichten, filigranartigen Verschlingungen 
oder Blättern, theils die schlanke Form deutscher Kapitäle des 
Uebergangsstyls; an die Stelle der glatten Scheiben sind Reliefs 
von Thiergestalten getreten, überhaupt sind plastische Verzie- 
rungen, theils Figuren, theils Ornamente in den Friesen oder als 
Einrahmungen von Nischen zahlreich angebracht. Das besterhal- 
tene dieser Gebäude ist ein Palast am Canal grande , unfern der 
Kirche der Apostel, bei welchem die etwas schwerfallige Pracht 
dieser Verzierung nicht gestattet, ihm eine frühere Entstehung als 
im Anfange des XIII. Jahrhunderts zuzuschreiben. 
Auch schliesst sich sehr enge an diese Gruppe eine andre 
an, bei welcher zwar noch überhöhete Rundbögen der oben be- 
schriebenen Art und mit der ihrer Einrahmung aufgesetzten 
Schneppe, daneben aber auch schon wirkliche Spitzbögen, bald 
im Untergeschosse in stumpfer und breiter Form, bald in den 
obern Stockwerken, und zwar hier schon mit einer Nasenbildung 
vorkommen. Einige Male mögen diese bei späteren Herstellungen 
entstanden sein, häufig aber scheint doch das Ganze aus einer 
Zeit herzustammcn, welche, da der gothische Styl in Venedig an 
den Kirchen erst etwa um 1'250, und selbst der blosse Spitzbogen 
an Grabmälern erst gegen das Ende des XIII. Jahrhunderts auf- 
kam, unmöglich früher als in das XIII. Jahrhundert fallen kann. 
Von constructiver Consequenz war ja überhaupt bei den Italienern 
nicht die Rede, und es scheint, dass für die Venetianer grade 
dieses Jahrhundert eine Uebergangszeit war, wo man jene ältere 
und strenge rundbogige Form nicht mehr elegant genug fand und 
die Meister gradezu auf Entdeckungen nach einem der einheimi- 
schen Palastanlage und der Localität entsprechenden Decorations-
        

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