Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970884
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Italienische 
Gothik. 
eine natürliche Einrahmung jener luftigen Halle des Mittelbaues, 
doch so, dass ihre Fenster, welche in einer Flucht mit dieser Halle 
lagen, durch ihre Form ihre Beziehung zu derselben ausspracben. 
Diese Anlage, welche aus den Verhältnissen und Bedürfnissen 
hervorging, blieb im Wesentlichen in der ganzen Blüthezeit Ve- 
nedigs dieselbe. Ihre decorative Ausstattung wechselte allerdings 
mit den herrschenden Stylen, wurde aber in der gothischen Epoche 
in sehr charakteristischer Weise ausgebildet. 
An chronologischen Daten für die Entstehungsgeschichte 
dieses Palaststyles sind wir arm; selbt der Dogenpalast lässt, wie 
wir später sehn werden , erhebliche Zweifel übrig, und für die 
Privatpaläste fehlt es an allen Urkunden. Wir müssen uns daher 
darauf beschränken, die verschiedenen Gruppen stylistisch ver- 
wandter Gebäude dieser Art in eine muthmassliche chronologische 
Ordnung zu bringen. Einen Anhalt gewährt uns dabei die N ach- 
richt von einem grossen Brande, welcher im Jahre 1112 einen 
bedeutenden Theil, wohl ein Drittel, der Stadt, gänzlich zerstörte 
und diese verderbliche Ausdehnung dadurch erhielt, dass die 
meisten Häuser, selbst die der vornehmeren Bürger, noch über- 
wiegend in Holz gebaut waren. Bei einem Schiffervolke und bei 
Wasserbauten ist die Vorliebe für dies Material natürlich; man 
hatte wohl einzelne Kirchen in Stein und Ziegeln aufgeführt, aber 
nur, indem man einen Wald von Pfählen in den Sumpfboden ver- 
senkte, wozu man sich bei Privathäusern nicht leicht entscbliessen 
konnte. Erst dies unglückliche Ereigniss zeigte (lie Nothwen- 
digkeit einer Weniger feuergefährlichen Bauart und nöthigte daher 
zur Erfindung einer ausreichenden und doch ureniger kostspieligen 
Begründung, die gewiss erst nach wiederholten V ersuchen ge- 
lang. Es ist daher wohl möglich, dass sich wie S. Marco und 
einige andre kleinere Kirchen, so auch Paläste aus der Zeit vor 
diesem Brande erhalten haben, aber es ist doch wahrscheinlicher, 
dass die meisten, welche wir besitzen, auch wenn sie auf den 
von jenem Brande nicht betroffenen Inseln stehn, erst nach dieser 
Verbesserung der einheimischen Bautechnik entstanden sein wer- 
den. Selbst die Gruppe von Palastbauteil, welche wir als die 
älteste ansehn dürfen, kann unmöglich ganz in die Zeit vor jenem 
Brande fallen, besonders da mehrere der ganz oder theilweise
        

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