Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970878
Palastbau. 
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Aufgang in den obern 'l'heil des Hauses ursprünglich nicht inner- 
halb desselben, sondern vermittelst einer breiten mächtigen Frei- 
treppe auf dem Hofe stattfand. Diese führte zunächst in das fest- 
liche obere Geschoss, in welchem neben einem grossen Saale, 
welcher die Tiefe des Gebäudes fast ganz einnahm, auf beiden 
Seiten Wohn- und Schlafzimmer lagen, eine Einrichtung, die 
sich dann im obersten Stockwerke, wenn man ein solches hinzu- 
fügte, mit verminderter Höhe wiederholte. Diese Säle, Welche 
wegen ihrer Tiefe starker Beleuchtung bedurften, konnten nicht 
füglieh mit Wenigen Fenstern versehn werden. Man war im 
Mittelalter bis zum XIV. oder XV. Jahrhundert wenig verwöhnt 
und wandte Fensterglas in VVohnhäusei-n nur selten und sparsam 
an, meistens nur in Zimmern vornehmer Damen. In andern Räu- 
men half man sich mit hölzernen Läden, in die man wohl durch- 
sichtige Stoffe, Pergament, Leinen oder dergleichen einlegte, und 
die zu Versammlungen bestimmten Hallen blieben, selbst in käl- 
teren Ländern, häufig ohne Verschlussfc). Wahrscheinlich ge- 
schah dies auch bei diesen Sälen, denen man dann nach der Strasse 
zu eine Säulenreihe mit möglichst hohen Bögen gab, die man nach 
Bediirfniss durch Läden und Teppiche verschliessen konnte. 
Später, als man bessern Schutz gegen die Witterung verlangte 
und der Luxus der venetianischen Kaufherren auch einen reich- 
licheren Gebrauch des kostbaren Materials gestattete, behielt man 
dennoch dieseSäulenhalle bei, indem man entweder dahinter eine 
mit grossen Thüren und Fenstern versehene VVand oder zwischen 
ihnen selbst grosse Glasthüren anbraehte. Es ist sehr wahrschein- 
lieh, dass grade dieser Umstand darauf Einfluss hatte, dass man 
die Bögen in Maasswerk auflöste, weil dieses der Einfügung von 
Glasfensteru günstiger war. Die zu Wohn- und Schlafgemächern 
bestimmten Seitentheile erhielten natürlich festere, nur durch ein 
oder zwei Fenster durchbrochene WVände und bildeten dadurch 
 Vergl. Jacob Falke, über Fensterverglasung im Mittelalter, in den 
Mitth. d. k. k. G. C. 1863 S. 1. Die Beweise, welche dieser interessante 
Aufsatz beibringt, beziehen sich zwar zunächst auf England, Deutschland, 
und Frankreich, sind aber auf Italien, wo noch im XVI. Jahrh. Müntaigne 
als Reisender sich über den häufigen Mangel von Glasfenstern beklagt, und 
wa man noch jetzt darin möglichst nachlässig ist, ohne Bedenken anzuwenden. 
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