Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970849
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Italienische 
Gothik. 
gleich kriegerischen und civilisirten Zustände des italienischen 
Mittelalters. 
Eine ungewöhnlich kolossale Gestalt, die recht eigentlich 
darauf berechnet scheint Erstaunen zu erwecken, gab die Bürger- 
schaft von Padua ihrem für die öffentlichen Geschäfte bestimm- 
ten Gebäude. Es besteht nämlich über einem dunkeln, zu Vor- 
rathsräumen geeigneten Erdgeschosse von 22 Fuss Höhe aus der 
ungetheilten Masse eines einzigen, nicht ganz regelmässigeti 
Vierecks von etwa 220 F uss Länge und 75 Fuss Breite, das im 
Innern durch zwei Wände in drei Säle getheilt war, die für Ge- 
richtssitzuxigexi und andre Amtshandlungen dienten. Anfangs War 
dieser ganze gewaltige Raum mit einer Balkendecke versehn , im 
Jahre 1306 aber erbot sich ein kühner Mönch, Fra Giovanni aus 
dem Eremitanerkloster, ihn mit einem einzigen hölzernen Gewölbe 
ohne alle Stützen zu überdecken. Das geschah denn auch wirk- 
lich, so dass das Innere nun die bedeutende Höhe von 75 Fuss 
erhielt. Auch umgab er beide Stockwerke äusserlich mit offenen 
Gallerien. Im Jahre 1420 zerstörte jedoch eine Feuersbrunst das 
Ganze, es wurde aber sofort möglichst in denselben Verhältnissen 
hergestellt, nur dass nun jene innern Zwischenwände fortblieben 
und die Paduaner sich seitdem rühmen, den grössten Saal der 
Welt zu besitzen. In diesem Zustande ist das Gebäude (Sala 
della ragione oder auch Basilica getrennt), geblieben und durch 
seine kolossale Grösse und die schwer zu enträthselnden astro- 
logischen Gemälde, mit denen das Gewölbe bedeckt ist, berühmt, 
Eine ähnliche kolossale Halle mit hochgewölbtem Dache findet 
sich nur in der Nachbarstadt Vicenza, indessen ist ihre 
ursprüngliche Gestalt hier noch weniger erhalten, da sie im 
XVI. Jahrhundert, nach den Angaben des Palladio, in ihrem 
Aeussern ganz erneuert ist. 
Zum Beschiusse haben wir noch eine sehr interessante Klasse 
von Gebäuden zu betrachten, die Paläste Venedigs. Im Kirchen- 
hau hatte sich Venedig ungeachtet des byzantinischen Vorbildes. 
das die lllareuskirche gab, allmälig der allgemeinen italienischen 
Sitte angeschlossen, so dass im XIII. Jahrhundert kaum noch ein 
Unterschied bestand. Im Palastbau dagegen bildete sich ein eigen- 
thümlicher Styl immer mehr aus, und zwar mit so fremdartigen.
        

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