Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968507
Italien 
im 
XIII. 
Jahrhundert. 
ständigkeit und diese doppelt betonte, durch freundliche und feind- 
liche Berührungen immer mehr ausgebildete, Eigenschaft wurde 
der vorherrschende Charakterzug der werdenden, aus der Mischling 
beider Stämme hervorgehenden Nation. Die alte Bevölkerung 
Italiens War ungeachtet ihres Hochmuths feige, durch Schwelgerei 
und Prunksucht eutnervt, und würde den deutschen Königen und 
Kaisern ebenso unterwürfig gewesen sein, wie sie es so manchem 
Imperator barbarischer Herkunft gewesen war. Der Zusatz ger- 
manischen Blutes, den sie jetzt erhielt, gab ihr Widerstandskraft 
und bewahrte sie vor dem Schicksal allmäliger Versumpfung 
unter fremder Despotie. Aber jenes Uebermaass des abstossen- 
den Elements liess es nicht sobald zu nationaler Einigung kommen, 
und erhielt hier Anarchie und Verwilderung, während die nor- 
dischen Völker schon in neuer Staatenbildung und Cultur fort- 
schritten. Allmälig klärten sich nun zwar auch hier die Ver- 
hältnisse, das sittliche Bedürfniss der Einigung gewann wieder 
Kraft, auch die positiven Elemente beider Stämme kamen wie- 
der zum Vorschein. Es entstanden neue Generationen, welche 
mit römischer Bildung und Feinheit des Sinnes mehr oder weniger 
den kriegerischen Muth und das Ehrgefühl, die tiefere Empfin- 
dung und die lebendigere Phantasie der Germanen verbanden. 
Aber dies Waren Vorzüge der Einzelnen, oder doch nur gewisser 
Localitäten , wo die gleichmässige Mischung der Völkerstämme  
sie begünstigt hatte, und die bei der grossen Verschiedenheit die- 
ser Mischung eher Ursache der Spaltung als der nationalen Eini- 
gung wurde. Vor allem zeigte sich dies in dem Gegensatze zwi- 
schen dem obern, lombardischen Italien und den südlichen Pro- 
vinzen. Während dort jener Zusatz germanischen Blutes höchst 
kräftig War und bei der neuen Gestaltung der Dingqaugenschein- 
lich mitwirkte, war er in Unteritalien schwach, so dass die Bevöl- 
kerung im Ganzen den Charakter behielt, den sie ohne denselben 
haben musste, sich willenlos fremden Eroberern unterwarf, und 
nur durch den Einfluss, den diese, Normannen, Deutsche, Franzo- 
sen allmälig ausübten und durch den Verkehr mit dem nördlichen 
Italien sich demselben näherte. Zwischen beiden stand dann Rom, 
das grade, indem es den germanischen Einfluss abwehrte, von dem- 
selben wenigstens Widerstandskraft annahm.
        

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