Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970790
Oeffentliche 
Paläste 
in 
235 
werke erheben sich über einander, die beiden untern von gleicher 
Breite und mit kräftigen Gesimsen, die beiden obern abnehmend, 
das vierte sogar nur von der Breite dreier Fenster, beide mit Zin- 
nen gekrönt; das Erdgeschoss mit schlichten halbkreisförmigen 
Arcaden, Welche theils Portale enthalten, theils Blenduischen bil- 
den, die andern mit theils drei-, theils zweitheiligen spitzbogigen 
Fenstern. Diese wohlgeortlnete Masse wird dann noch durch 
den ungewöhnlich hohen und schlanken Thurm, der an einer 
ihrer Seiten aufsteigt, belebt und erhält endlich durch ihre unver- 
gleichliche Lage die höchste Bedeutung. Vermöge der theilwei- 
sen Ausfüllung eines zwischen zwei Hügeln liegenden Thales ist 
nämlich ein grosser halbkreisförmiger, in der Mitte muschelartig 
vertiefter Platz entstanden, auf dessen Bogenlinien stattliche Pa- 
läste die Höhe bekrönen und so auf jenen öffentlichen Palast hin- 
blicken, der zwischen niedrigen Gebäuden auf der Grundlinie des 
Halbkreises die Mitte einnimmt. Er erscheint so recht eigentlich 
als das Centrum und der Augenpunkt der Stadt, wehrhaft zwar 
und in ehrfurchtgebietender Gestalt, aber doch nicht so kriegerisch 
wie in Florenz. Auch die Paläste des Adels sind hier nicht so 
ängstlich verwahrtwie dort, sondern mit dichter gestellten, höheren, 
meistens dreitheiligen Spitzbogenfenstern, mit Bogenfriesen und 
Zinnen, die mehr zur Zierde als zum Ernst bestimmt scheinen, 
und sonst mit einfachen Ornamenten mehr oder weniger reich 
und würdig geschmückt. Zu diesen Palästen, unter denen die 
der Familien Saracixii, Tolomei, Nerucci und besonders der ganz 
in Backstein ausgeführte der Buonsignori die bedeutendsten sein 
mögen, kommen dann andre grössere und kleinere öffentliche 
Bauten, Hospitäler, Klöster, Kapellen, offne Hallen an Palästen 
oder Amtsgebäuden, welche die malerisch gelegene Stadt auch 
zu einer der reichsten an mittelalterlicher Architektur machen. 
Bemerkenswerth ist, dass diese Bauten keinesweges in gleichem 
Material, sondern theils in Stein, theils in Backstein, theils mit 
Anwendung beider gebaut, aber doch nicht buntfarbig, sondern 
in dunkel warmem, ernstem Farbenton gehalten sind. Einige ähn- 
liche Paläste finden sich in Pisa, namentlich am Arno. Südlich 
von Siena sind in Orvieto und in Viterbo einige ansehnliche 
gothische Gebäude. Dort ist namentlich der Palazzo del Po-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.