Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970789
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Italienische 
Gothik. 
Paläste mit den mächtigen ungeheuren Steinblöcken im soge- 
nannten Rustico, mit den Ringen für das Anbinden der Pferde 
und den Vorrichtungen zum Auslöschen der Fackeln, deren ganze 
Erscheinung uns das städtische Fehdeleben so augenscheinlich 
vergegenwärtigt, ist erst eine künstlerische Erfindung der Re- 
naissance, das poetisch iixirte Bild schwindender Zustände. Nur 
in einzelnen Fällen hatte man schon früher, vielleicht nur aus Eile, 
die Steine bloss an den Fugen behauen und in der Mitte roh ge- 
lassen, und dies mag jenen spätem Meistern das Motiv gegeben 
haben. Endlich ist unter den Profanbauten von Florenz noch das 
Amtshaus einer frommen Stiftung, das sogenannte Bigallo, un- 
fern des Baptisteriums, zu erwähnen; ein kleines mit Statuen und 
Farbenschmuck in rundbogiger Gothik in der zweiten Hälfte des 
XIV. Jahrhunderts errichtetes Gebäude, das durch die Anspruchs- 
losigkeit der Formen und zugleich durch die liebevolle, zarte Aus- 
führung dem Geiste einer solchen Stiftung auf das Anmuthigste 
entspricht. Verwandten Reizes, aber in Formen, welche sich 
schon mehr der Renaissance nähern, ist ein ähnliches Stiftungs- 
gebäude, die Misericordia zu Arezzo. 
 Nach dem Beispiele von Florenz wollten auch die andern 
toscanischen Republiken ihre Stadthäuser haben. Das kleine 
Volterra baute das seinige schon 1257 und die meisten andern 
Städte schritten dazu noch vor dem Schlnsse des Jahrhunderts. 
Diesem Palazzo publico wurden dann später Nebengebäude für 
die verschiedenen Aemter hinzugefügt und gewöhnlich so gestellt, 
dass sie einen zu den Volksversammlungen geeigneten Platz um- 
schlossen, der sorgfältig mit grossen behauenen Quadern ge- 
pflastert, meistens ein sehr malerisches Bild gewährt. So in 
Pistoja, wo zu dem 1295 begonnenen Palazzo communale im 
Jahre 1368 der Gerichtspalast kam , beide in ähnlichen strengen 
Formen, wie die florentiner Bauten, dieser aber mit einer stattlichen 
gewölbten Halle und einem sehr malerischen Hofe , der dem des 
Bargello gleicht. So ferner in dem kleinen S. Gimignano , 
wo der Palazzo del Popolo ebenfalls noch aus dem XIII. Jahr- 
hundert stammen muss, da der Bathssaal schon 1317 mit einem 
grossen Frescobilde des Lippo Memmi geschmückt wurde. Tie- 
fer durchbildet ist der Palast der Signoria zu Siena. Vier Stock-
        

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