Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970762
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Italienische 
Gothik. 
Geist in seinen verschiedenen Beziehungen ausspricht. Denn bald 
sind es hohe Burgen mit starken Mauern, Wohl verwahrten Ein- 
gängen, mässig verzierten Fenstern, von Zinnen oder einem 
vorspringenden Wehrgange bekrönt, mit dem unverkennbaren 
Ausdrucke ritterlicher Kraft, und zwar jenes städtischen Ritter- 
thums, das nicht auf Abenteuer persönlicher Ehre ausgeht, 
sondern seinen Ruhm im Kampte für die gemeine Sache oder auch 
in aristokratischem Trotze sucht und daher überall mit grösseren 
Massen zu thun hat; bald aber Amtsgebäude mit offenen Hallen 
im Erdgeschoss, welche die Zugänglichkeit republikanischer Be- 
hörden, und mit heiteren Ornamenten, welche den Reichthum des 
Gemeinwesens ausdrücken, bald endlich Plätze zu Volksversamm- 
lungen, welche von Lauben und von verschiedenen Amtslocalen 
umgeben sind. Diese öffentlichen Bauten stammen sämmtlich erst 
aus dem XIV. Jahrhundert oder aus der zweiten Hälfte des XIIL; 
denn bis dahin hatte man vermöge der Einfachheit italienischer 
Sitte im Freien oder allenfalls in hölzernen Verschlägen getagt. 
Auch Privatgebäude aus früherer Zeit werden kaum, wenn man 
einzelne Wehrthürme in den Städten ausnimmt, erhalten sein. 
Aber auch innerhalb dieses beschränkten Zeitraums würde eine 
chronologische Zusammenstellung zwecklos sein, denn die sty- 
listischen Elemente bleiben unverändert, und romanische Formen 
erhalten sich fortwährend im Gebrauche, bis sie mit der Renaissance 
verschmelzen. Ueberhaupt ist ein genaues Eingehen hier nicht am 
Platze, da die meisten dieser Bauten doch wesentlich dem Nutzen die- 
nen und ihre Bedeutung nur durch ihre Bestimmung erhalten. Ein 
rascher Ueberblick in geographischer Sonderung wird daher ge- 
nügen. 
In Florenz tragen die wirklich dieser Epoche angehörigen 
Profanbauteil vorwiegend einen ernsten kriegerischen Charakter. 
Bis um die Mitte des XIII. Jahrhunderts hatte die damals schon 
mächtige Stadt noch immer keinen öffentlichen Palast. Die Bür- 
ger, welche Aemter bekleideten, wohnten in ihren Iläusern , der 
Podeste, wenn ein solcher gewählt wurde, da er als Fremder kein 
eignes Hans hatte, in dem des Bischofs. Erst im J. 1'250 wurde 
für diesen ein festes Haus, der später sogenannte Palazzo del 
Bargello, und dann im J. 1298 für die Prioren der jetzige Pa-
        

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