Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970735
Dom 
ZU 
Monza. 
229 
S0 schon die drei an die hohe Kuppel der Vierung anstossenden 
östlichen Arme des Kreuzes, die alle einsehifiig, aber von mehr 
als gewöhnlicher Länge und hinten an ihrem letzten Gewölb- 
felde mit halbkreisförmigen Apsiden ausgestattet sind, welche 
nicht etwa kleeblattförmig aneinanderstossen, sondern einzeln als 
kleine Nischen an jeder der drei äussern Seiten des Vierecks her- 
vortretemk). Diese künstliche Anordnung erscheint zwar in un- 
mittelbarer Nähe sehr gefällig, bleibt aber eben wegen der allzu- 
grosseuWeite des Kreuzes ohne Einfluss auf die Gesammtwirklmg. 
Von den Klosterhöfen, welche mit ihrem fast unerschöpflichen 
Reichthume der edelsten Sculpturen in 'l'erracotta vielleicht alles 
übertreffen, was je in diesem unscheinbaren Stoffe geleistet ist, 
habe ich hier nicht zu sprechen, da sie ganz der Frührenaissance 
angehören. Dagegen sind die Aussenmauern des Langhauses, 
Welche (mit Ausschluss der Faqade) dem Innenbau desselben bald 
gefolgt mid schon im ersten Plane angeordnet sein werden, da- 
durch bemerkenswerth, dass sie ungeachtet der Beibehaltung von 
Strebepfeilem mit spät und barock ausgeführten Fialen einen fast 
überreichen Gebrauch von Zwerggallerien machen, also auch hier die 
Wiederaufnahme romanischer Motive bekunden. Das Ganze endlich 
giebt vermöge der vorspringenden Apsiden an den Kreuzarmen, 
der vielen daran befindlichen 'l'hürmchen, und endlich des schwe- 
ren in drei zurückweichenden Absätzen mit Gallerien aufsteigenden 
Kuppelthurmes ein ziemlich unruhiges und unharmonisches Bild. 
Auch die andern gleichzeitigen Bauten aus der Umgegeml 
von Mailand folgen keineswegs dem Systeme des Doms. Die 
alte fünfschiffige Kathedrale zu Monza, die Stiftung Theode- 
lindens, wurde um diese Zeit von einem Meister Matheus aus 
Campiglione am Luganer See um zwei Joch verlängert und mit 
einer Facade versehn M), bei der jedoch ältere Theile, namentlich 
die auf Löwen ruhende Vorhalle, benutzt sind. Die 'l'heilung der 
Schiffe ist durch Strebepfeiler bezeichnet, welche in Thürmchen 
a) Vgl. den Grundriss in Lübke Arch. Gesch. S. 518. Beachtenswerthe 
Bemerkungen desselben über das Aesthetische des Baues in den Mitth. V. 139. 
 Seine Grabschrift besagt es: Hiv jacet magnns aedificator devotus ma- 
giäter Matheus de Camplione qui nunc hujus S. Eccl. faciem aedificavit, 
evangßlicatorium a0 baptisterium. Qui obiit A. D. MCCCLXXXXVI die etc.
        

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