Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970665
222 
Italienische 
Gotllik. 
sammengefasst, doch nicht ganz auf derselben Horizontallinie, 
sondern die der Kapellen niedriger stehn, wodurch eine nach der 
Mitte ansteigende, die breite Horizontale brechende und auf das 
Radfenster als die höchste Zierde und den Centralpunkt hinlei- 
tende Bewegung hervorgebracht wird. Die gesammte Anordnung 
ist so harmonisch und schön, dass sie den lombardischen Fehler 
der allerdings fast unförmlichen Breite völlig vergessen lässt, und 
dabei die Ausführung der Ornamente von so grosser Feinheit 
und Schärfe und so geschmackvoll, dass man gern dabei ver- 
weilt. Eierstäbe, Zahnschnitte, Blumengewinde, die dabei vor- 
kommen, deuten hier schon auf eine Empfänglichkeit für antike 
Ornamentik, die wir also hier, da wir keine Ursache haben die 
Facade für bedeutend später zu halten, gleichzeitig mit der stren- 
gen, fast romanischen Tendenz des lnneren antreffen und daraus 
schliessen können, dass auch bei dieser die Absicht sei, sich von 
den specifisch gothischen Formen, so weit sie hier zur Herr- 
schaft gelangt waren, mehr ab- und einfacheren Ordnungen zu- 
zuwenden. 
Um so auffallender ist denn, dass noch einige Jahre später, 
im Jahre 1385, ein Gebäude gegründet und begonnen wurde, 
Welches nun völlig Ernst mit der Einführung nordischer Gothik 
machen zu wollen schien, der Dom zu Mailand. Es war frei- 
lich nicht der Beschluss einer Commune oder der Rath berühmter 
einheimischer Künstler, welcher dahin führte, sondern die Pracht- 
liebe eines emporgekommenen Fürsten, der nach der gewöhn- 
lichen Politik dieser Herren durch glänzende bauliche Stiftungen 
die öffentliche Meinung zu bestechen suchte. Im Jahre 1385 
als Gebieter von Mailand anerkannt, beschloss Johann Galeazzo 
Visconti an Stelle der alten bischöflichen Kirche, seiner Stadt eine 
neue glänzende Kathedrale zu schenken; schon am 23. Mai wurde 
der Grundstein gelegt und sofort der Bau mit Eifer begonnen "H. 
Wer den Plan entworfen, ist unbekannt, indessen lässt der Er- 
folg nicht daran zweifeln, dass Johann Galeazzo, sei es in Bewun- 
m) Die Nachrichten nach ältern Schriftstellern hat Cicognara (Prato 1823) 
II. 177 5., die Resultate der neueren Forschungen (Oonte Ambrogio Nava, 
Memorie e documenti storici intorno all" origine del duomo di Milano, M. 185i] 
Ric-ci II. p.  ff. ziemlich gut zusammengestellt.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.