Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970617
Piemont. 
217 
und Bologna stets romanische Beimischuugen. Sehr deutlich zeigen 
dies die beiden _Facaden des dreischiliigen Querarms am Dome 
(s. d. Abbild. S. 140) zu Cremona, welche zufolge einer daran 
beiindlichen Inschrift vom Jahre 1288 herrühren. Die Anordnung 
beider ist im Wesentlichen gleich; über den Portalen auf einem 
Sims von sich dnrchschneidenden Bögen drei breite Fenster, 
das mittlere vier-, die andern dreitheilig, dann drei grosse Radfen- 
ster mit Maasswerk, endlich der breite flache Giebel mit kleinen 
aufsteigenden Arcaden, an dessen Ecken sowohl wie auf seiner 
Spitze je ein achteckiges Thürmchen angebracht ist. Es sind also 
noch ganz die Motive des bisherigen romanischen Styls. Dabei 
kommen dann an beiden Facaden sowohl Rund- als Spitzbögen 
vor, und zwar merkwürdigerweise bei beiden an andern Stellen. 
An der N ordfacade sind das Portal und die Umrahmung der 
Fenster spitz, die obern Arcaden aber rund, am südlichen ver- 
halten sich beide umgekehrt?) Man sieht also, beide Bogen sind 
nur nach Laune, ohne rationellen Grund, angewendet. Auch der 
Campanile des Domes, der sogen. Torrazzo, der höchste Thurm 
Italiens (354 Fuss hoch), der weit über die lombardische Ebene 
hinsieht, hat wenigstens in seinem untern viereckigen, von 1261 
bis 1288 erbauten Theile noch ganz romanische, und nur in dem 
darauf gesetzen achteckigen Aufbau mehr gothische Formen. 
Am stärksten ist der Einfluss des nordischen Styls in Pie- 
mont, das, im Norden an die Schweiz, im Westen an franzö- 
sische Provinzen anstossend, ihn von zwei Seiten her empfing, 
und dessen Fürsten oft in engerer Verbindung mit dem franzö- 
sischen Königshofe standen. Selbst in Aosta, angesichts bedeu- 
tender antiker Ueberreste, tragen die Kirchen ein mehr franzö- 
sisches Gepräge, und nicht geringer ist dasselbe am Dom zu 
Chieri und an der Kirche von Moncalieri unfcrn Turin im). 
Aber schon in der benachbarten Kirche S. Maria di Renversa ab?) 
ist wenigstens die Faoade mit ihrem breiten und flachen Giebel, 
dem durchschneidenden Bogenfriese und dem isolirten Radfenster 
1') S. Eitelberger in den mittelalterl. 
Staates II. Taf. XXI. und S. 107. 
u) Vgl. Ricci II. p. 412. 
a") Hope tab.  
Kunstdenkm. 
des 
österr. 
Kaiser-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.