Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970588
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Italienische 
Gothik. 
Pisa, von denen wir später reden werden, sind ganz im Geiste 
christlich-romantischer Poesie; er scheint erfüllt von Dante's 
Dichtung. Auch die gothische Form verschmäht er nicht; alle 
seine Tafelbilder, der grosse Altaraufsatz von Orsanmichele , die 
Tabernakel am Aeussern dieser Kirche, soweit sie ihre ursprüng- 
liche, von ihm herrührende Anordnung behalten haben, sind mit 
Spitzgiebeln, Fialen, Kreuzblumen und Krappen in der schwer- 
fälligen italienischen Weise überreichlich versehn. Aber wenn 
es sich um grössere Bauwerke handelte, mischten sich unwill- 
kürlich Züge ein, die er selbst an antiken Gebäuden bemerkt 
hatte oder die von ihnen in die gemeine italienische Baupraxis 
übergegangen waren. Seine Aufmerksamkeit hatte er auf die 
Antike noch nicht gerichtet, seine Neigung, wo er sich ihrer be- 
wusst wurde, führte ihn dem christlich-mittelalterlichen Style zu. 
aber die abweichende Richtung der italienischen Natur machte 
sich, nachdem der fremde Styl den Reiz der Neuheit verloren 
hatte, wieder mehr geltend. 
In Genua kam es dahin noch nicht. Der Gürtel hoher Fel- 
sen, der die "stolze" Stadt umrahmt und sie zur meerbeherr- 
sehenden Veste machte, schied sie auch von Toscana sowohl als 
von der Lombardei, liess sie an dem geistigen Leben beider nur 
bedingten Antheil nehmen, und gab ihr wie in klimatischer, so 
auch in künstlerischer Beziehung eine grössere Aehnlichkeit mit 
dem südlichen ltalien als mit den regsamen Provinzen, an die sie 
grenzt. Nur darin gleicht ihre Architektur der von 'l'oscana, dass 
dieselben Steinbrüche ihr den schwarzen und weissen Marmor 
lieferten, der zum Schmuck der Wände mit wechselnden Streifen 
einlud, und dass sich an den Gebrauch dieses edelu Materials 
auch die Gewohnheit seiner Bearbeitung in antiker Weise 
knüpfte. Bis dahin, dass die ausgebildete Renaissance hierher 
drang, blieben die genuesischen Kirchen fast durchgängig Säu- 
lenbasiliken, und viele Einzelheiten beweisen, wie lange sich 
jene Erinnerung erhielt. Vor Allem das prächtige Seitenportal 
am Dome S. Lorenzo, wo unter einem fast hufeisenartig ge- 
schwungenen Bogen richtig gebildete korinthische Kapitale und 
Säulen, und neben phantastischen Thieren, Riemenverschlingungen 
und Rankengewinden in der feierlich starren Behandlung des elf-
        

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