Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970568
212 
Italienische 
Gothik. 
weil dieser in der Mitte der Stadt gelegene, bedeutende Platz 
nicht würdig genug ausgestattet sei, hier ein Palatium zu bauen, 
in dessen unterem Theile die Verehrung der Jungfrau schick- 
licher stattfinde, dessen obere Stockwerke aber zur Aufbewahrung 
des Getreides dienen sollten. Der Grundstein wurde 1337 ge- 
legt, und 1339, als die ersten Pfeiler emporstiegen, machten die 
Vorsteher der zwölf Zünfte und der Guelfengesellscbaft sich an- 
heischig, dass sie an den dreizehn dazu geeigneten Stellen des 
Aeussern Tabernakel mit Statuen errichten lassen wollten, ein 
Versprechen, dessen Erfüllung indessen erst von 1406 an begann. 
Auch der Bau selbst schritt langsam Weiter und blieb im Jahre 
1348 in Folge der Pest, weil die Mittel gebrachen, nur von einem 
provisorischen Dache bedeckt liegen, so dass die Vorsteher des 
Baues 1350 der Siguoria vorstellten, dass die noch vorhandenen 
Gerüste und selbst die Gemälde leiden müssten, wenn man die 
Gewölbe nicht schnell vollendet). Dies half; man griff nun mit 
Eifer an und übertrug dem Andrea Orcagna als Obermeister die 
Leitung des Baues und zugleich die Ausführung eines prachtvol- 
len Altares im Innern des Oratoriums, denn so nannte man jetzt 
die ehemalige Loggia und nachherige Pfarrkirche. Schon 1357 
schien das Werk so schön und bedeutend, dass die Republik es für 
schicklich hielt, den Kornmarkt an eine andre Stelle zu verlegen, 
und 1360 War es so weit vollendet, dass man dem Meister ge- 
statten konnte, einem Rufe nach Orvieto zu folgen M). WVie viel 
von dem gegenwärtigen Bau dem Orcagna, wie viel dem frühem 
Meister nach der Grundsteinlegung von 1337 (Vasari nennt 
Taddeo Gaddi, dessen Namen aber in den Urkunden nicht vor- 
kommt) zuzuschreiben, ist ungewiss. Das Wesentliche der 
palastartigen Anlageiißg), die grossen rundbogigen Hallen des 
untern Stockwerks und die kräftigen Spitzbogenfenster der bei- 
den obern wird dem älteren, die Ausstattung des kirchlichen 
Raumes, die Bildung des Maasswerks in jenen jetzt zugemalrer- 
ten Hallen und die der Pfeiler dem jüngern Meister angehören. 
51. 
und Rosen- 
4'] Vgl. Matteo Villani, lib. I. cap. 57 mit Gaye 
w) Gaye S 512, coll. S. 52. 
"MÜ Abbildungen bei Wiebeking Taf. 70, Hope T. 
guten II. 6.
        

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