Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970531
Dom 
ZU 
Lucca. 
209 
nicht mehr vorhandene Verschönerungen erhalten hatte. Erst 
später begann eine weitere Erneuerung, und zwar der Chornische, 
welche halbkreisförmig, mit Halbsäulen und einer offenen Gallerie 
geschmückt, noch wesentlich aus romanischen Elementen be- 
steht, aber dennoch, laut daran befindlicher Inschrift, erst 1308 
begonnen und nach einer Unterbrechung 1320 fortgesetzt istß). 
Etwas später wird dann die Herstellung des Kreuzschilfes 
und Langhauses erfolgt sein. Die Pfeiler, denen deS florelltiner 
Domes sehr ähnlich, tragen auf etwas schweren Kapitälen Pi- 
laster, auf denen die Gewölbrippen ruhen, aber die Anordnung 
ist im Uebrigen eine ganz andere, und verbindet in eigenthüm- 
licher Weise Elemente der italienischen Gothik mit älteren Mo- 
tiven. Zunächst ist die Pfeilerstellung nicht die in Italien beliebte 
weite, sondern die engere, so dass die Gewölbe der Seitenschiffe 
quadratisch, die des Mittelschiffs ungeachtet seiner nur mässigen 
Breite (30 Fuss) von viel geringerer Tiefe (22112 F.) sind. Da- 
zu kommt dann, dass die Scheidbögen nicht spitz, sondern halb- 
kreisförmig sind, und dass die Pfeilerreihe nicht einmal durch ein 
breiteres Kreuzschiff unterbrochen ist, sondern völlig wie im Dome 
zu Pisa, in gleichen Abständen über dasselbe fort und bis zum 
Chore hingeht, so dass die Kreuzarme aus zwei Schiffen von 
gleicher Breite bestehen. Trotz dieser romanischen Elemente 
erscheint aber das Ganze luftiger und leichter und nähert sich 
mehr dem Eindruck nordischer Gothik, als die gewöhnlichen 
breiträumigen italienischen Dome. Ueber den Scheidbögen ist 
nämlich ein hohes Triforium von je zwei, zwar ebenfalls rund- 
bogigen, aber schlanken dreitheiligen, unter das Dach der Seiten- 
schiffe führenden Oeffnungen, und darüber, dem Zwickel ihrer 
Archivolten entsprechend, ein ziemlich grosses Kreisfenster an- 
gebracht, beide mit Maasswerk geschmückt, und zwar das der 
'l'riforienöifnungen ganz ähnlich dem des Giovanni Pisano in 
den ebenfalls rundbogigen Arcaden des Campo santo von 
Ü Hoc opus inceptnm fuit tempore Matthei Oampanerii Operarii A. D. 
MCCGVIII. et mortuus est dictus operarius A. D. MOOOXX. Loco ejus 
Successit Ser Bonaventura Rolenthi    qui  istud Opus reaSSUmSit hin Supra. 
Der Stein dieser Inschrift ist der Ghornische entsprechend gerundet, also 
011118 Zweifel für diese Stelle um 1320 gearbeitet. 
vn. 14
        

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