Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970439
Der 
Dom 
V01] 
Orvieto. 
199 
dung des Gewölbes, welche durch die Schwäche der theilweise 
beibehaltenen alten Mauern bedingt sein mochte, versetzt uns 
schon in die Nähe Roms. Dagegen finden sich zwei, selbst im 
nördlichen Italien ungewöhnliche Aneignungen des nordischen 
Styls. Die Scheidbögen sind nämlich nicht, wie sonst, bloss eckig 
geschnitten, sondern durch ein Band und einen als Rundstab ge- 
bildeten Untergurt reicher prolilirt, und an der Vierung stehen 
statt der sonst auch hier beibehaltenen Säulen kräftige, dem Ge- 
wölbe derselben entsprechende Pfeiler mit hoch hinaufgehenden 
Diensten. Uebrigens sind Säulen und Wände des Schiffes wie 
in Siena mit wechselnden Streifen schwarzen und weissen Mar- 
mors bekleidet, und endlich ist der Anblick der Seitenwände im 
Innern und Aeussern durch die spätere Anbringung von Nischen 
mit zopfigen Altären entstellt. 
Um so prachtvoller ist die Facade, welche, wie wir aus einer 
beiläufigen urkundlichen Erwähnung ersehn, im Jahre 1310, 
zwanzig Jahre nach dem Anfange des ganzen Baues, begonnen 
wurde ä), dann aber lange Zeit in Anspruch nahm. Sie wieder- 
holt im Wesentlichen das System der Facade von Siena, aber 
mit besserer, mehr übersichtlicher Anordnung. Die drei Portale, 
das mittlere mit runden, die beiden anderen mit spitzen Bögen, 
haben bessere Verhältnisse, so dass der Spitzgiebel des mittleren 
über die der beiden andern hinausragt; die Strebepfeiler sind zwar 
etwas schwerfällig, aber sie sprechen ihre Bedeutung kräftig aus, 
und steigen, wenn auch nicht vom Boden, so doch von den mit 
den berühmten herrlichen Sculpturen des Giovanni Pisanoge- 
schmückten Vorsprüngen des Untergeschosses auf; die Arcaden- 
reihe ist durchgeführt und dient so der grossen Rose des Mittel- 
schilfs und den hier zweckmässiger gebildeten Seitengiebeln zur 
klaren Unterlage. Die Details, z. B. die gewundenen Säulchen 
3'] In der oben erwähnten Urkunde von 1310 heisst es, nachdem Repa- 
ratur und Bau der Kirche als ein vollendetes Werk des Lorenzo Maitani e;- 
wähnt sind, zu seiner Empfehlung weiter: Tunc quod continuus et expertus 
fuit et est in speronibus (Sporen, Strebepfeilern) tecto et pariete pulcritudine 
figuratis que paries debet fieri ex parte anteriori. Lorenzo starb 1330, 
nach seinem Tode wurde sein Sohn Vitale zuerst mit zwei andern, dann seit 
1350 allein Obermeister (Milanesi a. a. O. S. 197.].
        

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