Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970365
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Italienische 
Gothik. 
Meister Lando stand dem Bau nicht lange vor; er starb noch in 
demselben Jahre 1340 , aber der Bau wurde fortgesetzt, bis im 
Jahre 1356 Bedenken gegen seine Solidität entstanden und nun 
ein zur Prüfung herbeigerufener Meister aus Florenz auch wirk- 
lich Pfeiler und Gewölbe für so mangelhaft erklärte, dass man 
alles abbrechen und neu bauen müsse. Zwei einheimische Mei- 
ster traten seiner Ansicht über die Unhaltbarkeit der neuen An- 
lage bei, warnten aber nun auch eindringliehst vor der Ausfüh- 
rung des derselben zum Grunde liegenden Planes wegen der 
langen Dauer tmd der ungeheuren Kosten und der dadurch beding- 
ten theilweisen Zerstörung des alten Gebäudes. Sie schlugen 
daher vielmehr vor, dieses bestehn zu lassen, die begonnene Ver- 
grösserung nach der Taufkirche hin vollends zu beendigen und 
würdig auszustatten und die Anfänge jenes Anbaues lieber zu 
einer besondern neuen Kirche zu benutzen. Die Commune ging 
aber auf dies Letzte nicht ein, sondern verordnete im Juni 1357 
einfach, dass der neue Bau aufzugeben und bis auf die Mauern 
abzubrechen sei. Dies ist denn aber auch nicht gerade wörtlich 
genau ausgeführt, vielmehr sind die jetzt noch stehenden Trüm- 
mer, da sie gerade dieselbe Stellung haben, welche das Gutach- 
ten andeutet, offenbar die Ueberreste dieses erst 1340 begon- 
nenen Neubaues  
Ü Der vorgetragene Hergang ergiebt sich aus den von Milanesi mitge- 
theilten Urkunden, und ist von ihm selbst pag. 255 im Wesentlichen ange- 
deutet, aber bisher noch nicht speciell geprüft und dargestellt. Die ältere 
Tradition (z. B. Faluschi, Guida) war auf dem richtigen Wege, indem sie 
den Neubau dem Meister Lando zuschrieb und irrte nur darin, dass sie das 
Aufhören des Baues mit der Pest von 1348 (nicht 1338] in Verbindung 
brachte. Rumohr [ltall Forsch. II. 123 ff.) trat dieser Tradition entgegen, 
verfiel dabei aber in den sehr viel schlimmeren Irrthum, dass er die Nach- 
richt von Rissen im Gewölbe, welche man im Jahre 1260 wahrnahm, und 
die Bedenken von 1322 sämmtlich auf den aufgegebenen Neubau bezog, 
den Beginn desselben daher um 1250 setzte. Burkhardt (Cicerone S. 134) 
widersprach dem zuerst, setzte aber den Anfang des neuen Baues in das Jahr 
1322 (indem er voraussetzte, dass des Gutachten von diesem Jahre zum Be- 
schluss erhoben sei) und deutete die Verlängerung nach der Piazza Manetti 
hin auf den jetzigen Chorbau. So auch Lübke in den Mittheilungen V. 193, 
indem er von Burkhardt nur darin abweicht, dass er die Gewölbrisse von 
1260 nicht im Chore, sondern (mit Recht) im Langhause sucht. Beide [und
        

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