Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970341
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Italienische 
Gothik. 
Arbeit in Stocken und im Jahre 1310 beschloss man, weil die 
Geldmittel zu sparsam flossen, alle Meister bis auf die zehn besten 
zu entlassen. Auch sind die obern Theile der Facade spätem 
Datums, das Radfenster von 1372 , Statuen und Reliefs aus dem 
XV. Jahrhundert. Auch dieser Beschluss von 1310 wird sich 
nur auf die Facade oder sonst auf die äussere Bekleidung des im 
Jahre 1264 mit dem Schlusse der Kuppel beendeten Gebäudes 
bezogen haben. Im Jahre 1317 aber begann man, wie wir durch 
eine Chronikennachricht wissen, wieder neue Mauern anzulegen 
und zwar behufs einer Vergrösserung der Kirche auf ihrer Chor- 
seite, nach der erwähnten Taufkirche hin Man betrieb dies 
anfangs mit grossem Eifer, indem im Jahre 1318, wie ein Rech- 
nungabschluss ergiebt, 25 Meister dabei beschäftigt waren. Im 
Februar 1321 (nach jetziger Zeitrechnung 1322) erregte aber 
dieser Bau Bedenken und fünf fremde Meister, welche darüber 
abgehört wurden, erklärten ihn nicht bloss für unsicher und 
schlecht fundamentirt, sondern auch für unschön und der Sym- 
metrie entbehrend und riethen daher, hier nicht weiter fortzu- 
fahren, weil durch solchen Zusatz es dahin kommen könne, dass 
die alte, sehr wohl proportionirte Kirche abgebrochen werden 
müsste kg). Zugleich geben sie in einer zweiten Urkunde den 
Rath statt dessen lieber eine neue, grosse und prächtige, 
wohl conditionirte Kirche zu bauen. Der Beschluss der Com- 
mune, welcher in Folge dieser Gutachten gefasst wurde, ist nicht 
zu ermitteln gewesen; wie es scheint ging man aber auf die Vor- 
Schläge der Sachverständigen nicht ein, sondern begnügte sich 
mit allerlei kleinen Hülfen und Ausgleichungen, wodurch denn 
die vielen Unregelmässigkeiten und Sonderbarkeiteti in den öst- 
a) Die Chronik bei Milanesi p. 256 sagt, dass die Seneser in diesem 
Jahre den Dom verso Valle Platte (so heisst das Thal, an welchem die 
Taufkirche liegt) verlängerten lind die facciata di S. Giovanni begonnen. 
i") Rumohr, Ital. Forsch. II. 129 ff. Nachdem sie ausführlich von den- 
Gefahren der Verbindung der neuen, höheren Gewölbe mit den alten, also 
immer von einem ganz genauen Anschluss des neuen Theils, dann aber auch 
von dem durch diesen Zusatz entstehenden Mangel an Proportion gesprochen- 
haben, schliessen sie: quod in opere non procedatur deinceps-quodsi in 
aliqua parte aliquid jungeretur, oporteret invite, ut dicta (vetus) ecclesia de- 
strueretur in toturn.
        

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