Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970326
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Italienische 
Gothik. 
im rechten Winkel an das südliche Kreuzschiff, ein unvollendet 
gebliebener Anbau, jetzt nur Pfeiler mit Fragmenten der Mauer, 
von edelster gothischer Bildung. 
Ich musste die Beschreibung der noch jetzt vorhandenen 
Theile vorausschicken, um dadurch die sehr anziehende, aber auch 
sehr verwickelte Geschichte ihrer Entstehung verständlicher zu 
machen. Sie ist, obgleich wiederholt mit Scharfsinn geprüpft, 
erst neuerlich durch die Publication sämmtlicher, früher nur theil- 
weise bekannter Urkunden aufgeklärt und noch nie vollständig 
vorgetragen?) Es handelt sich dabei um einen Zeitraum von 
mehr als hundert Jahren, und der ganze Hergang ist auch des- 
halb lehrreich, weil er die Art des Betriebes solcher grossen 
ölfentlichen Bauten in den italienischen Republiken, die grosse 
Vorsicht, mit der man in der Regel verfuhr, und dann wieder die 
grosse Erregbarkeit durch neue Entwürfe und die Kühnheit plötz- 
licher Entschlüsse, zu denen man sich hiureissen liess, überaus 
deutlich zeigt. Schon in der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts 
hatte die mächtig aufblühende Commune begonnen, den alten, ihr 
nicht mehr genügenden Dom zu vergrössern und zu verschönern 
und war dabei im Jahre 1259 bis zum Chore gediehn. Da aber 
begannen Zweifel. Das felsige und nach mehreren Seiten plötz- 
lich abfallende Terrain erschwerte es, dem Gebäude die Ausdeh- 
nung zu geben, welche die anwachsende Bevölkerung und die 
Würde der Stadt zu erfordern schienen, erregte auch Besorgnisse 
über die Solidität der bereits ausgeführten Theile, und beides veran- 
lasste dann immer neue Begutachtungen und neue Vorschläge, 
welche je nach der gedrückten oder gehobenen Stimmung, in der 
sich die Bürgerschaft vermöge der politischen Verhältnisse be- 
fand, aufgenommen wurden. Zunächst wurde bei der Choranlage 
dem von den Domherrn genehmigten, sich an die ältere Einrich- 
tung anschliessenden Plane ein neuer entgegengestellt, beiwelchem 
1') Bekanntlich hatte Rumohr (Ital. Forsch. II. 123 ff.) das Verdienst, 
zuerst die bisherige traditionelle Geschichte dieses Dombaues und zwar ver- 
möge archivalischer Forschungen zu erschüttern. Die vollständige Einsicht 
der von Milanesi in den Documenti per 1a storia delP arte Senese (1854) 
Tomo I. mitgetheilten Nachrichten und Urkunden ergiebt aber ein andres 
Resultat, als Rumohr annahm.
        

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