Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970301
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Italienische 
Gothik. 
den Reichthum des Unterbaues rechtfertigt, da nur aus dem reich- 
sten Boden ein so edles Gebilde emporschiessen konnte. 
Giottois Glockenthurm folgt in seiner architektonischen An- 
lage im Wesentlichen der italienischen Tradition, indem er auf 
quadratischem Grundplane unvermindert in fünf durch Gesimse 
abgetheilten Stockwerken 264 Fuss hoch aufsteigt, worauf dann 
noch, den Nachrichten zufolge, eine 90 Fuss hohe Spitze fol- 
gen sollte. Wie diese projectirt war, wissen wir nicht, in dem 
uns allein bekannten Unterbau ist aber die Bewegung des Auf- 
steigens mu- dadurch markirt, dass die beiden untern Stockwerke 
aus undurchbrochenem Mauerwerk bestehn, die beiden nächsten 
zwei kleinere Fenster haben, das fünfte aber ein grosses und 
bedeutend höheres Fenster und auch an sich grössere Höhe, 
also schlankere Gestalt hat. Dagegen ist die Decoration des 
Aeussern zwar nach demselben Princip wie am Dome selbst be- 
wirkt, aber unendlich schöner, nicht bloss vermöge der herrlichen 
Bildwerke, die darin angebracht sind, sondern auch durch den 
klaren rhythmischen Wechsel kleinerer und grösserer, jene die 
Basamente und Gesimse, diese den Körper der einzelnen Stock- 
werke bezeichnender Felder und endlich durch kräftige strebe- 
pfeilerartige Bildung der Ecken des ganzen Thurms. 
Während der Dom von Florenz so eine allerdings abstract 
verständige, aber völlig einheitliche Schöpfung ist, zeigt sich der 
Dom z u Siena als das Product wechselnder stylistischer Ein- 
flüsse und verschiedener Epochen. Die Facade, auf der sein Ruhm 
hauptsächlich beruht, giebt in gewisser Weise das Nonplusultra 
italienischer Gothik, das Innere dagegen, obgleich höchst pracht- 
voll ausgestattet, entbehrt allzu sehr der Einheit und Entschieden- 
heit, um einen befriedigenden Eindruck hervorzubringen. Die 
Pfeiler des dreischifiigen Langhauses, deren Abstand nicht viel 
über halbe Mittelschiffbreite hinausgeht, sind ziemlich schlank, 
eckigen Kerns mit vierstarken Halbsänleir besetzt und durch Rund- 
bögen verbunden. Ueber diesen zieht sich als mächtiges horizon- 
tales Band ein breiter und stark ausladender Fries, welcher durch 
die Büsten der Päpste, die er enthält, noch auffallender wird, und 
über welchen das nicht sehr hohe Obergeschoss mit Pilastern 
als Gurtträgern des Kreuzgewölbes aufsteigt, Die Oberlichter
        

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