Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970282
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Italienische 
Gothik. 
Noch viel kolossaler sind dann die Dimensionen der Cl1or- 
anlage, Wo schon der freie achteckige Raum breiter ist, als das 
Langhans und höher als das Doppelte der Gewölbhöhe des Mit- 
telschiffsß). Allein auch hier ist die Wirkung eine unbefriedi- 
gende; der gewaltige Baum, unter dessen immenser Höhe der 
hier angebrachte Hochaltar winzig, in dessen Weite selbst die 
ausgedehnte Anlage des Chors der Domherren unbedeutend er- 
scheint, macht vermöge des schwachen Lichtes, das durch die 
Kreisfenster der Kuppel oder aus den Conchen eindringt, eher 
den Eindruck einer riesigen Grabhalle, als der Stätte, wo die 
Kirche ihre freudigen Mysterien feiertw). 
Die Bekleidung des Aeusseren ist nach toscanischem Her- 
kommen auf den Wechsel dunkeln und hellen Marmors berech- 
net, der aber hier nicht wie sonst einfach in horizontalen Streifen 
liegt, sondern zu einem Täfelwerk benutzt ist, welches am Haupt- 
körper der Wand aus Reihen kleiner verhältnissmässig hoher 
Rechtecke besteht, die sich hier zwischen horizontalen gesimsar- 
tigen Linien viermal übereinander wiederholen. Es sind in der 
That ziemlich ähnliche Motive der Marmorbekleidung, wie in 
jener ältern toscanischen Schule die von Empoli und San Miniato. 
Dazwischen treten dann, diese regelmässig durchgeführten Mu- 
ster unterbrechend, die ztveitheiligen Fenster und die Portale, 
beide mit gewundenen Säulchen und anderem buntfarbigem Mar- 
morschmuck, und endlich die wenigstens durch andre Ornamen- 
tation hervorgehobenen schwachen Strebepfeiler als bedeutendere 
Theile hervor. Allein auch an dieser Ornamentation der Strebepfei- 
ler sind die Horizontallinien jener Muster betont, so dass sie vor- 
herrschen und sich mit der Verticale der schlanken Fenster unan- 
genehm schneiden; sodann haben die Spitzgiebel über den Fenstern 
und zum Theil auch über den Portalen höchst barocke, schwer- 
fällige, und durch nichts motivirte Formen, und endlich sind die 
"Ü Der kleine Durchmesser des Achtecks 72 braecia. (135 Fuss), von da 
bis zur Tiefe der Kapelle jeder der drei Conchen 81, die ganze Breite des 
Kreuzarmes also 267 Fuss, welches auch die Höhe der Kuppel bis zur Laterne ist. 
"Ü Brunelleschi hat zwar die Kuppelhöhe, welche in Arnolfds Plan nicht 
viel über die Höhe des Mittelschiffs gestiegen sein würde, gewaltig gesteigert 
und dadurch die Verhältnisse geändert. Aber andrerseits gab er dem mittleren 
Raum Licht, dass ihm nach jenem Plane noch mehr gefehlt haben würde,
        

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