Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970272
S. Maria 
Fiore 
ZU 
Florenz. 
183 
ungeheure Breite erhalten, wie in dergKirche des Bettelordens bei 
offnem Dachstuhle. Indessen blieb er nur Wenig darunter, gab 
dem Mittelschiffe ein Maass, wie es die grössten Dome des Nor- 
dens nicht haben, von 53 Fuss im Liehten (etwa 60 zwischen den 
Pfeilerkerncn), was hier um so kühner ist, als er die Pfeilerab- 
Stände nicht wie dort schmal, sondern der Mittelschiflbreite gleich 
machte, und die Gewölbe in einer Höhe von 133 Fuss unter dem 
Schlusssteixie, also fast ebenso hoch wie in den schlanksten jener 
Dome, anbrachte. Die Anordnung ist übrigens die gewöhnliche; 
Pfeiler von möglichst geringer Stärke (SV, F uss) in kreuzförmi- 
ger Gestalt mit gleichen Pilastern auf allen vier Seiten und mit 
polygonförmigen Diensten in den Ecken, auf dem hohen, mit ein- 
fachem Blattwerk verzierten Kapitale obere Pilaster als Gewölb- 
träger, eckig profilirte Scheidbögen, in den SeitenschiHen zwei- 
theilige Fenster, je eins von geringer Breite auf jedes Joch, kreis- 
förmige Oberlichter. Auffallend ist nur, dass Meister Arnolfo die 
hölzerne Gallerie, welche in S. Croce der klösterlichen Einfach- 
heit und dem offenen Dachstuhle entsprach, auch hier in dem 
Prachtbau wiederholte, wo sie nun über den Kapitälen der obern 
Pilaster den Gewölbansatz ganz unmotivirt horizontal durch- 
schneidet. S0 tief durchdacht der Plan, so kühn und meisterhaft 
die Constrtlction ist, ist das aesthetische Resultat keinesweges be- 
friedigend. Die starre und einförmige Bildungrder Pfeiler und die 
weithin gedehnten schmalen Gewölbe der Seitenschiffe machen 
den Eindruck des Schwerfälligen und Unbelebten, der Mangel 
an anziehenden Details, der weite Pfeilerabstand, die naheliegen- 
den breiten und hohen Seitenmauern, den des Leeren und Kalten. 
Es giebt kaum einen kirchlichen Raum, der so wenig erhebend 
oder anregend wirkt, und die sparsamen Denkmäler, Welche sich 
auf den weiten Mauerllächen verlieren, beweisen, dass auch die 
Frömmigkeit der Florentiner, trotz der traditionellen Bewunderung 
ihres Domes, sich hier nie einheimisch gefunden hatfa). 
"Ü Es ist fast komisch, wierdie Italiener dem Zugeständniss dieses Mangels 
auszuweichen suchen; sie erklären ihn etwa (wie Milizia im Dizionario 
düxrchibettura bei Fantozzi a. a. O. S. 326) als einen povertä preziosa, weil 
Amolfo in Ermangelung der wahren, nur aus der Antike zu lernenden De- 
corationsweise wenigstens die schlechte (gothische) vermieden habe.
        

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