Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970192
S. Czroce 
ZU 
Florenz. 
175 
genügen; sein consequenter Geist ging immer grade zum Ziele  
Er gab dem Gebäude kolossale Verhältnisse, eine Länge, welche 
die von S. Maria novella um etwa sechzig Fuss, eine Breite, die 
sie um 18 Fuss, also verhältnissmässig viel mehr übersteigt M), 
und eine höchst bedeutende Höhe, reducirte alle Glieder auf das 
ilothwendigste Maass, verzichtete auf jeden entbehrlichen decora- 
tiven Schmuck und erreichte grade durch diese Einfachheit und 
durch die Schlankheit der Stützen eine um so stärkere Wirkung 
der riesigen DimensioneniW-ig). Der Plan folgt zwar im Wesent- 
lichen dem damaligen Herkommen der Klosterkirchen, aber mit 
mannigfachen Abweichungen, die ihre Wurzel besonders darin 
haben, dass das Mittelschiff sehr viel breiter ist, wie sonst, nicht 
bloss die doppelte Breite der SeitenschiEe hat, sondern noch die 
Hälfte mehr. Die Möglichkeit dieser Steigerung wurde dadurch 
erlangt, dass Meister Arnolf überall auf Gewölbe verzichtete und 
zu der altitalienischen Gewohnheit des olfnen Dachstuhls zurück- 
kehrte, wobei er aber, um der hohen Wand des Mittelschiffs eine 
Stütze zu geben, in den Seitenschiifen von der Wand zu den 
Pfeilern Bögen spannte und jedem Compartiment ein besonderes 
Dach mit eignem Giebel gab. Die Pfeilerabstände durften natür- 
lich der gewaltigen Mittelschiffbreite nicht gleichen, sondern be- 
tragen noch nicht zwei Drittel derselben, aber immerhin doch 
noch etwa 39 Fuss, so dass die achteckig gebildeten Pfeiler sehr 
schlank und die von ihnen aufsteigenden Scheidbögen sehr Weit- 
gespannt erscheinen. Das sehr einfache, streng gebildete Blatt- 
werk der Kapitäle, dann die nur durch andre Farbe des Steins 
Ü Gio. Villani (VIII. 7], der über die feierliche Grundsteinlegung be- 
richtet, bemerkt dabei, dass man den Bau (also ganz wie in S. Antonio von 
Padua] mit der Vorderseite anfing und den Chor zuletzt an Stelle der bis 
dahin benutzten alten Kirche erbaute. Vergl. über S. Croce überhaupt die 
Monographie von Moise, Firenze 1845, welche sonst sorgfältig gearbeitet, aber 
für alles Architektonische dürftig ist. 
 Nach Fantozzis sehr zuverlässigen Maassangaben (Nuova Guida. 184?) 
ist S. Maria novella 315 Fuss (168 braccia), S. Oroce 371 (198 br.) lang. 
jene im Mittelschitf etwa 40 (Q1133), diese etwa 60 (32116) breit. Die Seiten- 
Schitfe unterscheiden sich weniger, da sie dort 101,4, hier  br. Breite 
haben, die Pfeilerstärke ist in beiden fast gleich und unter 6 Fuss. Die Ge- 
salnmtbreite des Langhauses ist daher dort 90' (48. 1.  hier 1'221 (65. 11.  
hie) Vergl. darüber auch die Bemerkungen von Lübke in den Mitth. V. 179.
        

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