Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970124
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Italienische 
Gothik. 
schlanken und doch kräftigen Pfeiler, welche das Ganze luftig 
und doch nicht leer, strenge und einfach, aber doch anmuthig und 
würdig erscheinen lassen; auch rühmt man mit Recht die Solidi- 
dät der Mauern, Welche die Anlage hölzerner, die Pfeiler mit der 
Wand verbindender Anker, deren sich die meisten italienischen 
Architekten dieser Zeit bedienten , entbehrlich gemacht hatg). 
Die Ausführung des Gebäudes erfolgte mit Hülfe reicher, von 
Einzelnen und von der Stadt selbst geleisteter Spenden w) und 
blieb stets unter Leitung von Ordensbrüdern, unter denen Fra 
Giovanni da Campo und Jacopo Talenti aus Nippozano, jener 
der Beendiger des Innenbaires (1349), dieser unter andern der 
Erbauer der berühmten Capella degli Spagnuoli im Kloster, die 
bedeutendsten waren. Die Bekleidung der Faqade ist bekanntlich 
nicht ihr Werk, sondern erst 1470 durch Leon Battista Alberti 
erfolgt. Andre Bauten des Fra Sisto und Fra Ristoro kann Flo- 
renz nicht aufweisenßw). 
Dagegen wird man ihnen die Kirche ihres Ordens in Rom 
S. Maria sopra Minerva zuschreiben dürfen. Im Jahre 1280 
berief sie der Papst nach Rom, um gewisse Wölbungen im Va- 
tican auszuführen, in demselben Jahre begann aber auch der Bau 
jener Kirche  und es ist gewiss nicht wahrscheinlich, dass das 
Kloster sich fremder Architekten bedient habe, während zwei so 
bedeutende aus ihrem Orden anwesend waren. Fra Ristoro muss 
bald nach Florenz zurückgekehrt sein, da er daselbst 1283 starb, 
Fra Sisto blieb aber in Rom bis zu seinem Tode (1289). Er 
wird daher als der hauptsächliche Urheber der römischen Ordens- 
 Plan und Aussenansicht bei Wiebeking Taf. 51 u. 75. Der Pfeiler- 
abstand nimmt, vielleicht absichtlich zur Verstärkung der perspectivischen 
Wirkung, nach dem Kreuzschiüe hin ab. 
 Gaye I. 429, 434. 
w") Man hat ihnen die kleine Kirche S. Remigio wegen einiger Aehnlich- 
keit mit S. M. novella zuschreiben wollen, indessen ist sie zuverlässig später, 
wie Fantozzi Guida p. 158 beweist. 
1'] Marchese l. 49. Die ältere auf dieser Stelle stehende Kirche wurde 
den Dominicanern 1274 abgetreten und ein Breve Nicolaus III. v. 24. Juni 
1280 fordert die Senatoren von Rom auf, den versprochenen Zuschuss zum 
Bau zu leisten, da derselbe begormen sei (incipiatur fabricari ad presens). 
Die Angabe, dass Einräumung und Neubau erst 1370 erfolgt seien (Agin- 
court, auch Plattner, Besohr. Rum. III. 3. 505) ist daher irrig.
        

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