Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-970070
Antonio 
ZU 
Padua. 
163 
und so auf dem Rücken der verbindenden Mauer einen bloss durch 
ein Geländer verwahrten Umgang trägt, über den dann die dün- 
nere abschliessende Wand mit zwei kleinen zweitheiligen aber 
rundbogigen Fenstern aufsteigt. In den SEllIellSChiffen sind 
sämmtliclte Pfeiler mit zwei leichten Säulchen versehn, Welche 
neben dem breiten Quergurt die Diagonalrippen der Kreuzge- 
wölbe tragen. An dieses Langhaus schliesst sich das Querschitf 
mit drei, in gleicher Weise angeordneten Kuppeln, die jedoch und 
besonders die mittlere etwas höher hinaufsteigen. Dahinter er- 
hebt sich dann, wie in S. Marco, noch eine, hier also die sechste 
Kuppel, und man darf wohl vermuthen, dass nach dem ursprüng- 
lichen Plane hinter ihr, als dem Altarraume, nur noch eine einfache 
Concha folgen sollte. Diesen Plan fand man aber, als man bis 
dahin gediehn war, zu beschränkt und fügte nun noch einen tiefen 
Chor hinzu mit einem kuppelförmigen Rippengewölbe, einem 
Umgange und einem Kranze von neun viereckigen, ziemlich unge- 
schickt gebildeten Kapellen. Die Verhältnisse sind sehr bedeu- 
tend, die innere Länge (ohne eine kreisförmige in Osten ange- 
baute Kapelle des XVII. Jahrhunderts) beträgt 302, die Breite 
des Mittelschitfes 44, die der Seitenschitfe etwa die Hälfte, die 
ganze innere Breite des Langhauses ohne die angebauten Kapellen 
108, die Höhe der Kuppeln 106 bis 116 Fuss. Aber dennoch 
macht das Ganze weder den Eindruck des Freien und Luftigen, 
wie jene andern Klosterkirchen, noch den imponirenden der Mar- 
cuskirche, sondern erscheint stumpf, schwerfillig, öde. Selbst 
die an sich grossartige Weite der Kuppeln giebt keine günstige 
Wirkung. Zum Theil mag dies dadurch erklärt werden, dass 
nicht bloss der Glanz des Marmors und der Mosaiken des vene- 
tianischen Domes, sondern selbst die Wandmalerei oder farbige 
Decoration fehlt, auf die der Architekt bei seinen formlosen Massen 
gerechnet haben mag, und dass über den zahlreichen und zum 
Theil überaus prachtvollen Kapellen der Seitenschiffe das obere 
Gebäude in nüchternem weissem Bewurf emporsteigt. Allein 
selbst eine vollständige Bemalung würde die Rohheit der Detail- 
behandlung, die Schwerfälligkeit der Pfeiler, die Sprödigkeit der 
kahlen Spitzbögen und den Widerspruch ihrer steilen Form gegen 
den darüber hinlaufenden Umgang und gegen die breite Lagerung 
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