Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969974
S. Giovanni 
e Paolo 
zu Venedig. 
153 
bildungen des XIV. Jahrhunderts in Deutschland m), ein blosses 
Formenspiel ist, sondern den Zweck hat, die Wirkung der Fenster 
für das Innere zu erhöhen. Im Aeussern erscheint aber auch hier 
diese Anordnung höchst bizarr, obgleich übrigens die Chorseite 
durch das Maasswerk der Fenster und ihre sehr gut in Backstein 
ausgeführte Einrahmung sehr reich ausgestattet ist und gegen die 
Nüchternheit der Seitenmauern und selbst der Facade absticht. 
Wie sehr diese geräumige Anlage dem einheimischen Ge-- 
schmacke zusagte, beweist ihre vielfache Nachahmung an klei- 
nern Gebäuden. S0 an der jetzt zerstörten Kirche des Klosters 
ai Servi, an der Kirche der Lucchesen, an S. Gregorio und S. Ca- 
ritä (der jetzigen Akademie), und endlich an der noch erhaltenen 
und nicht unbedeutenden Kirche der Augustiner, S. Stefano (1325 
vollendetyfg). Bei dieser fehlt zwar das Kreuzschiff, so dass die 
Choranlage nur den drei Schiifen entsprechende Nischen hat, 
auch haben die Säulen (vielleicht um bei beschränktem Raume 
ihre Zahl nicht zu vermindern) eine engere Stellung. Aber sie 
sind nun um so schlanker gehalten, so dass der Eindruck der- 
selbe bleibt. 
Vor Allem aber war es wichtig, dass die Dominicaner für 
ihre grosse Kirche S. Giovanni e Paolo denselben Typus 
adoptirten. Schon 1234 hatten sie hier ein Kloster gegründet und 
1246 einen päpstlichen Ablassbrief für die Förderer des Kirchen- 
baues erhalten, so dass man, wenn diese Daten auf den Bau ihrer 
gegenwärtigen Kirche bezogen werden könnten, diese als eine 
unabhängige , jener Franciscanerkirche vorangehende Schöpfung 
ansehen müsste. Allein wahrscheinlich handelte es sich damals 
um ein kleineres, später zerstörtes Gebäude, da die jetzige Kirche, 
die nach Chronikennachrichten im Jahr 1395 nur zur Hälfte, 
und erst 1430 im Wesentlichen vollendet war, entschieden eine 
Copie von S. Maria gloriosa, aber in etwas grösseren Dimensionen 
und mit manchen Verbesserungen ist. Namentlich ist die Stellung 
der Säulen hier etwas weiter, das Querschilf schmaler, die Zahl 
3) Z. B. in böhmischen Bauten, Bd. VI., S. 313. 
"Ü S. über alle diese Kirchen Selvatico a. a. O. Die Holzdecke des 
Mittelschiff: und die Oberlichter in S. Stefano gehören nicht dem ursprüng- 
lichen Bau an. 
        

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