Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969942
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Italienische 
Gothik. 
chen Italiens ß). Sie ist schlanker gehalten, hat namentlich ein 
hoch über die Seitenschiffe hinausragendes Mittelschiff und end- 
lich einen polygonen Chor mit einem Umgang. Aehnliche An- 
lagen sind zu Bologna S. Domenico, die schlanke Kirche der 
Servi, S. Martino maggiore und endlich S. Giacomo maggiore, 
wo der Chor eine noch reichere polygone Form und sogar neben 
dem Umgang-e Kapellen hat, Welche jedoch nicht jede einzeln 
ihren Polygonschluss haben, sondern eine einzige dem Umgange 
parallele Peripherie bilden. Die Arcadeuträger sind bald Säulen, 
bald achteekige oder anders gebildete Pfeiler, die Gewölbe des 
Mittelschiffs auch hier oft quadratisch oder gar sechstheilig, die 
Facaden endlich ganz nach italienischer Weise über die Seiten- 
schiffe hinausgeführt und dürftig ausgestattet. Der Bogenfries, 
durchschneidend oder einfach, bildet auch hier das gewöhnlichste 
Ornament. In Piacenza schliessen sich die Kirchen S. Francesco 
und S. Maria del Carmine W) an diese Gruppe an, indemsie eben- 
falls hohe Oberschiffe und sogar Strebebögen haben, welche von 
Formsteinen mit sehr zierlichem durchbrochenem Muster gebildet 
sind. Beide Kirchen haben, darin den mailändischen ähnlich, qua- 
drate Mittelgewölbe, aber ohne Zwischenpfeiler, also mit länglichen 
Seitengewölben, dabei aber auf jedem Joche zwei Seitenkapellen, 
die in S. M. del Carmine sogar polygonförmig enden. Hier ist der 
Chor grade geschlossen, in S. Francesco hat er aber um den durch 
sechs Seiten des Zehnecks gebildeten innern Raum einen Um- 
gang mit einem freilich sehr formlosen Kapellenkranz, und zwar 
alles, besonders die Anlage der Oberlichter der Chorrundung, sehr 
an S. Antonio von Padua erinnernd. Weiter südlich nimmt die 
Einfachheit der Kirchen dieser Orden zu. Sie bestehen meistens 
bloss aus einem einschiffigen Langhause von grosser Breite und 
Ausdehnung, dessen ganz nackte und angegliederte Mauern nur 
 Nach Ricei II. 137 hat sie ein gewisser Marco da Brescia von 1236 bis 
1245, nach Gonzati I. 118 ein Franciscaner Fra Giovanni von 1227-1251 er- 
baut. Sie war lange Zeit Dogana und ist erst neuerlich (gesrhmacklos) restau- 
rirt. Abbildungen bei Runge Beiträge I. t. 25, 31, 33, Grundriss und Nach- 
richten bei Lübke a. a. 0. S. 168- 
m] Sie ist nicht mehr im kirchlichen Gebrauche und gehörte bei meinem 
Besuche (1858) zu einer Caserne.
        

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