Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969938
TyPlls 
der 
Klosterkirchen. 
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einem breiten Querschiff, dessen ganze Ostseite sich zu einer 
Reihe von Kapellen öffnet, in deren Mitte dann der Chor meist 
mit polygonem Abschlusse etwas weiter ausladet. Mit Einschluss 
desselben beläuft sich die Zahl dieser Chemischen meistens auf 
fünf oder sieben, zuweilen auch höher, in S. Croce von Florenz 
sogar auf elf. Diese Kirchen sind in der Lombardei meistens ge- 
wölbt, in Toscana und in den südlicheren Gegenden mit offenem 
Dachstuhl angelegt. In einigen Provinzen zeigen sie einen durch 
die Verbreitung der Orden erklärbaren stärkeren Einfluss nor- 
discher Gothik, die Verhältnisse sind schlanker und die Pfeiler 
enger gestellt, womit sich dann später die Wiederaufnahme ro- 
manischer Formen des Nordens verbindet. In andern Gegenden 
finden sich Eigenthümlichkeiten einheimischen Ursprungs. So ist 
im Mailändisehen sehr häufig der Schluss der Krenzarme und der 
Seitenkapellen entweder polygonförmig, oder zwar rechtwinkelig, 
aber durch eine dreitheilige Fenstergruppe, nämlich durch zwei 
schlanke Spitzbögen mit einem über ihrer Zwischenwand ange- 
brachten Kreisfenster beleuchtet. Säulen mit Eckblättern an der 
Basis sind gewöhnlicher als Pfeiler, und dann enger gestellt und 
auf je zwei Arcaden mit einem quadratischen Kreuzgewölbe über- 
spannt. Die Seitenschiffe sind dabei verhältnissmässig hoch und 
die Mittelschiffe so wenig darüber hinausgeführt, dass für Ober- 
lichter kein Raum geblieben ist und die ganze Kirche bei ihrer 
grossen Breite niedrig und gedrückt erscheint. In Mailand 
selbst sind zahlreiche Kirchen dieses Typus; so S. Eustorgio, 
S. Pietro in Gessate, die kolossale, unter der modernen Stuck- 
bekleidung noch völlig erkennbare Kirche S. Maria del Carmine, 
S. Maria delle Grazie in ihren älteren Theilen, und endlich S. Sem- 
pliciano, eine ursprünglich romanische Kirche mit Pfeilern und 
runden Arcaden, die in diesem gothischen Provinzialismus herge- 
gestellt ist, aber ihre ursprünglich edeln Verhältnisse beibehalten 
hat i). Von Bologna geht ein andrer Typus aus, und zwar, wie 
es scheint, von S. Francesco, einer der ältesten gothischen Kir- 
 Vgl. den Grundriss von S. Pietro in Gessate bei Lübke in den Mitthei- 
langen V. 119, und Nachrichten über diese mailänder Gruppe von A. Messmer 
daselbst III. 43. S. M. delle Grazie bei Runga Beiträge II. Bl. 7. ü". Wiebeking 
tab. 63. Hupe tab. 49.
        

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