Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969915
Marmor 
und 
Backstein. 
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Ausschlag gaben, steigerten den Ehrgeiz und führten dahin, die 
Kunst als einen Gegenstand rationeller Ueberlegung und indivi- 
dueller Kraft erscheinen zulassen, sie vom Herkommen zu be- 
freien, und da man bei solchen Berathungen gern auch berühmte 
Meister aus entfernten Gegenden Italiens herbeirief, die etwa noch 
bestehenden provinziellen Verschiedenheiten zu verwischen und 
die Kunst als eine gemeinsame Aufgabe des ganzen Landes dar- 
zustellen. 
Selbst die Verschiedenheit des zu Gebote stehenden Materials 
begründete keine besonderen Schulen. In Deutschland, wo die 
Construction sich nach dem Material richtete und aus ihr wiederum 
die ganze ornamentale Haltung hervorging, sind die Länder des 
Ziegelbaues von denen des Steinbaues scharf geschieden. In 
Italien blieb die Construction überall dieselbe und höchstens die 
ihr anzuheftentle Decoration wurde einigermaassen verändert, 
wenn man keinen Marmor in der Nähe hatte und sich aus Spar- 
samkeit auch für das Aeussere des Backsteines bediente. Wir 
haben schon bei Betrachtung des Facadenstyles gesehen, dass dies 
keineswegs ungünstig wirkte; die Meister Waren gegen die Ver- 
suchung des blossen Farbenspiels mit edeln Steinen oder der Ueber- 
latlung mit plastischen WVerken geschützt und genöthigt, sich 
strenger an eigentlich architektonische Motive zu halten. Allein, 
wenn gleich ausgezeichnete Backsteinbauten dieser Art in der 
Lombardei am häufigsten vorkommen, entstand daraus kein 
eigenthümlicher und am wenigsten ein provinzieller Styl. Denn 
auch den lombardischen Städten, denen es an Marmor fehlte, Waren 
die Brüche nicht so entfernt und die Mittel nicht so beschränkt, 
dass man nicht bei einzelnen luxuriös ausgestatteten Bauten sich 
die Pracht dieses edeln Stoifes gestattet hätte, und andrerseits 
hatte man auch in den marmorreiehen Gegenden schon aus römi- 
scher Zeit her die Uebung des Backsteinbaues nie ganz aufge- 
geben nnd ihn daher immer gelegentlich bei sparsamer bedachten 
Unternehmungen angewendet. Ueberdies aber war auch an den 
ganz in Stein gebauten XVerken die Ornamentation keineswegs 
so sehr aus dem Material hergeleitet, dass ihre [Tebertragung auf 
den Backsteinbau erhebliche Aenderungen gefordert hätte. Ein 
durchgreifender stylistischer Unterschied entstand daher überall 
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