Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969900
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Italienische 
Gothik. 
Principien, was eine strenge Auffassung erzeugte, die an die des 
Romanischen oder des Uebergangsstyles der nordischen Länder 
erinnert. Einige Male steigerte sich diese Strenge so weit, dass 
Gebäude aus der zweiten Hälfte des XIV. Jahrhunderts den nor- 
dischen des XII nahe stehen, und durchgängig wurde das Eck- 
blatt, das bekanntlich bei uns mit dem Eintreten der Gothik ver- 
schwindet, um nie wieder zu kommen, im XIV. Jahrhundert eine 
beliebte Form. Es war auch hier wie im Norden ein Uebergangs- 
styl, eine Mittelstufe zwischen gothischen und antiken Tendenzen, 
nur dass sie hier nicht den Hinweg zu jenen, sondern den Rück- 
weg zu diesen bildete. Auch diese Erscheinungen tragen aber 
nicht den Charakter eines regelmässigen, chronologischen Her- 
ganges, sondern zeigen sich je nach der Neigung der einzelnen 
Meister oder Bauherren bald früher bald später. Ueberhaupt bringt 
die Einführung des gothischen Styls nur in sehr äusserlichem 
Sinne eine grössere Gleichförmigkeit hervor, während sie in 
Wahrheit die Selbstständigkeit der künstlerischen Individualität 
nur steigerte. Die Uebertragung fremder Formen in die Sprache 
einheimischer Anschauung erregte Zweifel und Fragen, die bei 
dem schon bestehenden Mangel an Schulzusammenhang unend- 
lich verschiedene Lösungen bekamen und so die Mannigfaltigkeit 
der Ansichten nur steigern konnten, während zu gleicher Zeit 
durch die wachsende Kunst- und Prachtliebe der Städte auch das 
Bedürfniss nach künstlerischen Kräften und daher das Ansehen 
der Künstler in hohem Grade wuchs. 
Indessen war man noch weit von der Ueberschätzung der 
künstlerischen Selbstherrlichkeit, Welche später eintrat. Die Ur- 
kunden lehren uns vielmehr, dass in dieser Zeit noch alle wich- 
tigen Baupläne Gegenstand vielfacher Berathungen waren. Bevor 
eine Commune oder ein Fürst den Bau begann, rief man eine 
Zahl sachkundiger Meister zusammen, forderte die Vorlegung 
von Entwürfen und Modellen und entschied sich für einen der- 
selben, aber immer vorbehaltlich anderer, späterer Beschlüsse, die 
dann stets wieder Gutachten andrer beim Bau beschäftigter oder 
unbetheiligter Meister voraussetzten. Aber eben diese Discussio- 
nen, bei denen dann doch zuletzt die künstlerische Sachkenntniss 
und das Vertrauen, welches die Meister sich erworben hatten, den
        

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