Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969895
Mangel 
chronologischer 
Entwickelung. 
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nur eine Fülle des Anziehenden und Schönen, sondern auch selbst 
trotz mancher Verstösse gegen architektonische Consequenz und 
organische Verbindung in der durchgehend gleichen Stimmung 
ein verbindendes, eine geistige Harmonie hervorbringendes Ele- 
ment entdecken. 
Der gothische Styl in Italien hat, obgleich er sich fast zwei- 
hundert Jahre erhielt, doch keine Entwickelung und daher keine 
Geschichte. Die Veränderungen, die er erlitt, sind untergeordneter 
Art, ja eigentlich nur der Anfang des frühen Verfalls. Die ersten 
Meister bedienten sich seiner vorzugsweise als eines Mittels regel- 
mässiger, fester und sparsamer Construction, adoptirten daher nur 
seine wesentlichen Züge und hielten sich in den Grenzen edeler 
Einfachheit und Anmuth. Die Späteren, theils um ihre Vorgänger 
zu überbieten, theils unter dem Einflusse der prunkenden conven- 
tionellen Sitte des XIV. Jahrhunderts häuften die gothischen Zier- 
formen allzusehr und verfielen, da sie ihre constructive Begrün- 
dung nicht verstanden und sie nach italienischem Geschmack etwas 
derber bildeten, in Schwrerfälligkeit und Ueberladung, Welche da- 
durch um so stärker wurde, dass antike Traditionen sich immer 
noch erhielten und dazu verleiteten, Bestandtheile des Architrav- 
baues mit denen des verticalen Systems zu verbinden 11). Dies 
alles erzeugte dann eine Beaetion; man strebte aus dieser Ueber- 
ladung nach einfacheren Formen, verhielt sich aber dabei ver- 
schieden. Denn während einige Meister zu diesem Zwecke sich 
mehr den altitalischen Traditionen zuwendeten, was schliesslich 
zur Renaissance führte, begnügten sich andre mit einer Ver- 
einfachung des mittelalterlichen Styls ohne Verläugnung seiner 
 Diese beständige Mischung beider Bausysteme lässt sich auch in den 
Urkunden nachweisen. So heisst es in einem Oontracte der Commune zu Arezzo 
mit dem Meister Agostiuo von Siena v. J. 1333 über den Bau einer Kapelle 
an der Pieve, er solle, zwei vorhandene Säulenstämme benutzend, Marmorkapitäle 
dazu machen und darauf legen "uns. pietra dimarmo ehe se chialna architrave  
Und fast um dieselbe Zeit (1336) contrahiren die Operarii des Domes von 
Siena mit einem Meister Bessuccius über 60 gargollas sive lapides actas ad 
Inodum animalium. Sie haben also selbst des französische Wort "gargouille" 
adoptirt, und die Kunstausdrücke beider Style bestehen ruhig neben einander. 
BeideUrkunden bei Miianesi, Documenti. 
VII. 10
        

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