Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969878
Fagade. 
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Fällen haben dagegen die drei Schiffe jedes seinen eignen voll- 
ständigen und zwar sehr steilen, zwischen Fialen aufsteigenden 
Giebel, so jedoch, dass der mittlere die der Seitenschiße bedeutend 
überragt; eine Anordnung, welche eine recht consequente und trium- 
Yphirende Durchführung des gothischen Princips beabsichtigt, aber 
indem sie den Seitenschiffen selbstständige Giebel giebt, (lenrwirk- 
liehen Verhältnisse widerspricht und keineswegs günstig wirkt. 
Wo es die Mittel erlaubten, besonders an Kathedralen mäch- 
tiger Städte, ist die Fagade verschwenderisch geschmückt. Hohe 
Portale mit Spitzgiebeln, das grosse, mit Maasswerk gefüllte Rad- 
fenster, Zwergarcaden und andres Detail, Sculpturen, Mosaiken, 
Malereien geben ein Ganzes von strahlender Pracht und glänzendem 
Farbenspiele. Aber eben diese Prachtliebe und die nothwendige 
Freiheit der Bildner so edlen Schmuckes bringt Ueberladung und 
Inconsequenzen hervor, die bei näherer Betrachtung störend auf- 
fallen und dann um so mehr auf den durch jenen Schmuck ver- 
deckten Mangel an constructiver Gestaltung aufmerksam machen. 
An schmuckloseren Bauten tritt dieser dann unverhiillt hervor, 
indem die Faeade nur als eine Mauerfläche erscheint, auf der die 
Portale und einige Fenster, manchmal bloss ein Radfenster und 
ein Paar kreisförmige Oeffnungen in der hohlen, über den Seiten- 
schiffen aufsteigenden Mauer, durch welche der Himmel durch- 
scheint, vereinzelt dastehn. Es ist Wahr, dass diese Leere hier 
Wveniger verletzt, als man glauben sollte, weil sie die Details iso- 
lirt und dadurch die Feinheit des Sinnes, die sich darin ausspricht, 
in naiver und" anspruchsloser Weise zur Geltung bringt. Aber 
sie bleibt doch ein Mangel architektonischer Schönheit. Zuwei- 
len ist zwar durch Strebepfeiler der Versuch einer senkrechten 
Theilung gemacht, aber nie durchgeführt; entweder sie schliessen 
auf gewisser Höhe stumpf ab, oder sie steigen zwar bis zum 
Dache auf oder selbst als Fialen über dasselbe hinaus, aber sie 
sind stets ohne Zusammenhang mit den andern Erscheinungen 
"dieser Fläche und daher zu einer Gliederung des Ganzen unzu- 
reichend. Mehrere Male hat man eine solche durch spitzbogige 
grössere oder kleinere Nischen hervorzubringeii gesucht, aber mei- 
stens dabei nicht unterlassen können, diesem, wenn auch nur deco- 
rativen Aufstreben durch bedeutsame horizontale Linien zu Wider-
        

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