Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969836
Aeusseres 
der 
Kirchen. 
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Begründung viel zu kümmern. Vor allem sagen ihnen die Spitz- 
giebel und Fialen zu; in ihnen besteht auch noch für die heutigen 
Italiener das VVesentliche des gothischen Styls. Bald werden sie 
in grössestem Maassstabe als Bekrönung der Facade auf den drei 
Schiffen des Langhauses, bald in übermässiger Wiederholung an 
allen Fenstern und an ganzen Aroadenreihen angebracht, zuweilen 
ganz ohne Begründung auf grade Gesimse gestellt. Bei decorati- 
ven Kunstwerken, Altären, Bildtafeln u. dgl. herrschen sie in einem 
solchen Grade, wie es im Norden nie der Fall gewesen war, und 
in allen Fällen sind sie, vermöge des italienischen Geschmackes, 
viel derber gebildet wie dort. Auch das Maasswerk sagte ihnen, 
selbst bei rundbogigen Fenstern, sehr zu. Aber es blieb ihnen stets 
ein blosses Formenspiel, bei dem sie nach dem Zusammenhange 
mit den übrigen Theilen nicht viel fragten. Die Pfosten behalten 
stets den Charakter der Säulen, werden oft von anderm Marmor, 
oft mit gewundenen Stämmen, immer mit vollständigen Kapitälen 
gebildet, das obere Maasswerk ist bald einfach geometrisch, bald 
aber, ohne Unterschied der Zeiten, aus ziemlich" willkürlichen 
Verschlingungen gebildet, unter welche sich häufig Rundbögen 
mischen. 
Die Fenster sind in den Kirchen meistens schlank und hoch, 
nur zwei- oder dreitheilig, und haben häufig einen Querbalken mit 
eignem Maasswerk; ihre Vertiefung ist gering, dagegen liebt 
man sie im Aeussern durch besondern Schmuck von gewundenen 
Säulen oder eingelegter Arbeit auszuzeiehnen. In bürgerlichen 
Bauten erhält das hier vorzugsweise angewendete rundbogige 
Fenster häufig über niedrigen Säulen statt des Maasswerkes 
dünne ornamentirte oder mit einzelnen Oeffnungen versehene 
Steinplatten. An Kirchen ist diese Fensterform seltenere), da- 
gegen die kreisförmige sehr beliebt, namentlich für Oberlichter. 
Auch bleiben Radfenster die Hnuptzierde der Faeade, indem sie 
mit reichem lilaasstverk ziemlich regelmässiger Art gefüllt und 
oft von einem Quadrat umrahmt sind, dessen Ecken dann plasti- 
sehen Schmuck erhalten. 
 Sie kommt an den beiden, 
Faqaden des Doms zu Cremona vor. 
Staates II. S. 98 h". 
in den Jahren 1274-1284 hergestellten 
Mittelalt. Kunstdenkm. d. österr. Kaiser-
        

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