Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969812
Grundverhältnisse 
und 
Profilirung. 
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des Mittelschiffs wie das Ulmer Münster (129') und fast dieselbe 
wie die Kathedrale von Amiens, aber er ist weit entfernt, den 
Eindruck des Schlanken und Luftigen zu machen wie diese, und 
giebt eher das Gefühl der Oede und Leere.  
Die Plananlagen sind meistens einfach. Einschiffige Kirchen 
kommen oft in bedeutender Grösse vor, fünfschiffige sind von 
höchster Seltenheit, bei Weitem die meisten dreischiffig mit einem 
doch wie gesagt nur wenig höheren MittelschiHe. Das Querschxff 
fehlt fast nie, aber der Chor ist nur in äusserst wenigen Fällen mit 
Umgang und Kapellenkranz versehen, fast immer mit einfachem 
polygonem Schlüsse, häufig aber auf jeder Seite von mehreren, mit 
ihm in einer Flucht liegenden kleineren Kapellen begleitet. Diese 
Form, welche die Cistercienser eingeführt, ist hier auf alle Mönchs- 
orden übergegangen und selbst bei städtischen Kirchen?) nicht 
verschmähet. Neben diesen einfachen Plananlagen finden sich dann 
aber auch andre sehr complicirte, namentlich solche, bei denen 
der Mittelraum der darauf ruhenden Kuppel entsprechend statt 
der quadratischen eine polygone sechs- oder achteckige Gestalt 
annimmt. Rund- oder Polygonbauten kommen nur als Baptisterien 
vor. Die Gewölbe endlich sind (wo nicht Kuppeln eintreten) nur 
einfache Kreuzgewölbe; der italienische Geschmack verwarf, Wie 
es scheint, alle die complicirten Wölbungsarten, denen der Nor- 
den so viel Studium widmete, die Stern-, N etz- und Fächerge- 
wölbe, mit vollster Entschiedenheit. Das einzige bekannte Bei- 
spiel eines Sterngewölbes ist auf der Vierung der Kirche 'l'rinita 
de, Monti in Rom, die eine Stiftung KarPs VIII. von Frankreich 
und auf Kosten desselben, wahrscheinlich durch französische Mei- 
ster, gebaut ist. 
Noch Weniger wie das Innere gleicht das Aeussere dem 
der nordischen Bauten. Wer die durchgeführte Consequenz ver- 
ticaler Construction, die Strebepfeiler mit ihren tiefen Schatten, die 
hochgeschwungenen Strebebögen, das durchgehende Aufwärts- 
streben aller Theile mit seinem höchsten Ausdrucke im Thurm- 
bau an italienischen Kirchen sucht, fühlt sich völlig getäuscht. 
Der Thurm, nach alter Gewohnheit senkrecht aufsteigend und 
meistens rechtwinkelig schliessend, blieb von der Kirche getrennt 
t) Sie findet sich z. B. am Dome zu Prato, Grundriss bei Lübke, MitthV 173.
        

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