Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969804
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Italienische Gothik. 
thischen beibehält, häufig aber kleiner ist, und von dem auf der 
Frontseite des Mittelschilfs ein pilasterartiger Gewölbedienst auf- 
steigt. Ausnahmsweise kommen indessen hier auch vom Boden 
anfangende, durch das Kapital nicht unterbrochene Dienste vor. 
Die Quergurten sind immer breit und eckig, eben so die Scheid- 
bögen, welche dann äusserlich nur durch ein Band verziert und 
von einem Rundstabe begrenzt sind. Die Diagonalrippen und 
Schildbögen erhalten niemals besondere Dienste, sondern ruhen 
auf den Ecken der Kapitäle. Auf die feine lebensvolle Gliederung 
der Bögen und auf den organischen Zusammenhang derselben 
mit den Pfeilern ist daher verzichtet und nur auf Wirkung durch 
Massen und Verhältnisse gerechnet. Eine andere Folge jener 
breiten Pfeilerstellung ist, dass der Seheidbogen höher ansteigen 
musste, wodurch eine verhältnissmässig grössere Höhe der Seiten- 
schiffe entstand, welche den Gedanken an Triforien ausschloss 
und den Oberlichtern nur eine geringe Höhe gestattete. Man 
wählte daher für diese gern die Kreisform. 
Durch alle diese Aenderungen ist dann der Charakter des 
Innenbaues ein ganz anderer geworden wie in den nordischen 
Domen. Während dort die schlanke Gliederung der Pfeiler gleich 
von unten neben dem Beschauer beginnt und seinen Blick in die 
'l'riforien, das Maasswerk der weiten Fenster, den kühnen Schwung 
und die elastische Bildung der Wölbungen überleitet, treten ihm 
hier überall feste Massen und weite Verhältnisse entgegen. Wäh- 
rend die Höhe des einzelnen Jochs dort bei der "engen Pfeiler- 
stellung wohl das Fünffache der Breite derselben hat, beträgt sie 
hier selten mehr als zwei ein halbes Mal so viel. Während dort 
eben wegen dieser Nähe der Pfeiler das Auge schnell bis zur 
Gewölbhöhe hinauf und von ihr hinabsteigt und also den Ein- 
druck eines rasch pulsirendeu Lebens empfängt, bewegt sich der 
hohe, breitgegliederte Bogen hier nur langsam, und die Gewölbe 
der Seitensehiffe, die so viel tiefer als breit sind , erscheinen 
sehwerfällig. Während die Wand sich dort durchweg in lebens- 
volle Einzelheiten auflöst, tritt sie uns hier in den Seitenschitfen 
mit grossen Flächen, die nur durch ein schmales Fenster belebt 
sind, entgegen. Alle Maassverhältnisse wirken dadurch ganz 
anders; der Dom von Itlorenz hat dieselbe imposante Gewölbehöhe
        

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