Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969771
S. Francesco zu Assisi. 
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schifiigen Unterkirche und einer einschifiigen, auf den Pfeilern 
derselben ruhenden Oberkirche durch die Erinnerung an jene hei- 
mischen ihm wohlbekannten grossen Werke klar gemacht hat. 
Er konnte solche von dorther mitgebrachten Grundrisse hier fast 
gradezu anwenden. Dadurch kam er zunächst auf die quadratische 
Pfeilerstellung, eine Einrichtung, für die er in den italienischen, 
Kirchen dieser Gegend kein Vorbild fand, die bei einschiffigen 
Kirchen überall noch nicht vorgekommen war, und von der man 
grade um diese Zeit selbst in den dreischifligen lombardischen 
Domen gern abwich und statt der quadraten längliche Gewölb- 
felder herstellte. Dies aber führte ihn wieder auf die Säulen- 
bündel; denn bei den weiten Abständen dieser Dienste war die 
einfache Halbsäule zu nüchtern und bei der leichten Haltung des 
ganzen Gebäudes der Pfeiler mit viereckigem Kern zu schwer. 
Allerdings hätte ein französischer Meister in Erinnerung an die 
etwas älteren, mit quadratischen Gewölben versehenen Dome 
seiner Heimath auf dieselben Gedanken kommen können. Allein 
bei der Vorliebe der Franzosen für ihre Sitten und bei der ge- 
rechten Begeisterung, welche sie damals für ihr neues System 
hatten, würde es ihm schwer geworden sein, auf die volle Con- 
sequenz desselben und namentlich auf die neue Erfindung der 
schmalen Gewölbfelder zu verzichten und sich italienischen An- 
schauungen zu fügen. Dem Deutschen musste dies leichter wer- 
den, da er schon in seiner Heimaih die Aufgabe der Acclimatisation 
dieses fremden Styls gehabt hatte, und da der deutsche Romanismus 
ihm das Verständniss für das antikische Form- und Raumgefühl 
der Italiener eröffnete. 
In dieser bahnbrechenden Arbeit der Uebersetzung des go- 
thischen Styls in italienische Gefühlsweise liegt die grosse Be- 
deutung dieses Gebäudes, nicht darin, dass es unmittelbares Vor- 
bild für viele andere Bauten wurde. Dies geschah vielmehr nur 
ein Mal und zwar in Assisi selbst, bei der Kirche der h. Clara, 
der Schülerin und Nachfolgerin des h. Franz, welche von Philip de 
Campello, dem unmittelbaren Schüler des deutschen Meisters, gleich 
nach der Beendigung von S. Francesco 1253 begonnen wurde 95]. 
f) Die Nachahmung der Oberkirche ist hier eine so sclavische, dass selbst 
die Strebebögen, die dort auf der Unterkirche ruhen, hier mit herüberßßllümülßn
        

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