Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969765
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Italienische 
Gothik. 
späterenät) Theilen) auf die Einzelheiten näher eingeht, wird man 
finden, dass die meisten derselben mehr dem rheinischen Ueber- 
gangsstyle, als der in Frankreich schon mehr entwickelten Gothik 
entsprechen. Die zweitheiligen Fenster mit ihrem primitiven 
Maasswerke, der offene Umgang unter denselben, die Knospen- 
kapitäle, die über das Maass des gleichseitigen Dreiecks hinaus- 
gehende Breite der Spitzbögen, die etwas schweren Gewölbrippen, 
endlich die Strebebögen lassen sich genau so oder doch ähnlich 
in S. Gereon zu Köln und andern rheinischen Bauten nachweisen. 
Selbst die Bündelpfeiler, welche allerdings hier, da man sie allein 
sieht, auf den ersten Blick den Eindruck des entschieden Gothi- 
sehen machen, sind an sich jenem deutschen Style nicht fremd, 
nur dass derselbe sie an andern Stellen, an Gallerieöffnungen, 
Chornischen, in Kreuzgängen oder Kapitelsälen, und niemals 
allein, sondern immer neben andern Pfeilerformen verwendet-im), 
und dann allerdings nicht mit einer so wie hier im verticalen Sinne 
ausgebildeten Basis, die in Frankreich damals schon angewendet 
wurde. Es ist hiernach allerdings wahrscheinlich, dass Meister 
Jacob, ehe er nach Italien gelangte, in Frankreich gewesen war, 
allein die Mehrzahl der Details und besonders die ganze Plan- 
anlage rechtfertigen die von Vasari berichtete Ueberlieferung, die 
ihn zu einem Deutschen macht. 
Vergleicht man nämlich die Grundrisse der untern und obern 
Kirche von S. Francesco mit denen des untern und des obern Stock- 
Werkes einer mit quadraten Mittelgewölben angelegten deutschen 
Kirche des Uebergangsstyles 32g), so ist die Aehnlichkeit eine 
ganz auffallende, und man kann kaum zweifeln, dass der Meister 
sich die ihm hier gegebene ungewöhnliche Aufgabe einer drei- 
 Bei dem Portal der Oberkirche spricht auch der Umstand dafür, dass 
die 1253 begonnene Kirche Sta. Ohiara zu Assisi, obgleich übrigens genaue 
Copie der Oberkirche von S. Francesco, nur ein kleines fast rundbogiges 
Portal hat. 
w] Z. B. im Dome (in dem Einbau von 1190) und im Kreuzgange des 
Domes zu Trier (Schmidt, Lief. 2. Taf.  in S. Aposteln und St. Martin 
in Köln u. s. w. 
'33) Vgl. die Grundrisse von St. Georg zu Limburg bei Moller, Bd. 11., mit 
denen von Assisi bei Agiucourt, Taf. 37 und bei Gailhabaurl. Selbst die Strebe- 
bögen in Assisi gleichen genau denen von Limburg.
        

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