Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969741
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Italienische Gotßhik. 
Gewölbfeldern, etwa 40 Fuss breit und 60 Fuss hoch, aus dem, 
drei Quadrate haltenden Querschiff, und aus einer flachen Concha. 
Bündelpfeiler von je 5 schlanken, verschieden decorirten Säulen 
mit Kilospenkapitälen tragen die leicht geschwungenen, aber ziem- 
lich derben polygonisch profilirten Gewölbrippen, während die 
Wände zwischen ihnen in ihrem oben etwas zurückweichenden 
Theile durch ein schlankes zweitheiliges Fenster mit dem aller- 
einfachsten Maasswerke , nämlich mit einem in das Bogenfeld 
eingeschnittenen Vierblatt belebt sind. Nur die Fenster der Kreuz- 
facaden sind viertheilig und mit mehr entwickeltem Maasswerk k). 
Den grössten Reiz aber verleiht beiden Kirchen ihre malerische 
und farbige Ausstattung. Nichts ist leer, nichts ohne Zusammen- 
hang geblieben. Schon an den Säulenschäften wechseln gewun- 
dene oder gebrochene Bänder und andere Muster, die Rippen sind 
an ihren verschiedenen Flächen abweichend verziert, die Gewölbe- 
kappen enthalten, von breiten Arabeskenstreifen umrahmt, einen 
blauen gestirnten Grund oder auf demselben noch besondere Ge- 
mälde, die Wände zwischen den Gewölbdiensten sind unten tep- 
pichartig, dann mit Bildern aus der Legende, endlich neben den 
Fenstern mit einzelnen Figuren verziert. Dieser Reichthum far- 
bigen Schmucks giebt (abgesehen von der Bedeutung einzelner 
Wandgemälde, auf die wir in der Geschichte der Malerei zurück- 
kommen werden) dem Ganzen den festlichen und harmonischen 
Charakter, der jeden Besucher der Kirche anzieht, ist aber in Be- 
ziehung auf die Würdigung des Architektonischen von zvireifel- 
haftem Werthe, indem er von der Beachtung der plastischen Form 
und der organischen Durchbildung abzieht. Auch haben schon 
die Maler sich den Anforderungen der Architektur so Wenig ge- 
Ü An einer für vergleichende Studien ausreichenden Publikation fehlt es 
auch bei diesem geschichtlich so wichtigen Bauwerke. Gally Knight I1. Taf. 19 
und 20 giebt nur Ansichten, und weder die vier Blätter bei Gailhabaud, Monu- 
mens Band III., noch die verhältnissmässig zahlreichen Zeichnungen bei Agin- 
court Taf. 36 Nro. 39-46, besonders Taf. 37, dann 42, 7 (ein Joch), 68, 36, 
70, 19. geben zuverlässige und ausreichende Kunde. Noch weniger Wiebeking 
Taf. 51 und 75.  Proben der farbigen Decoration bei Gruner, specimens of 
ornarnental art.  Bei der hier beigefügten kleinen Zeichnung (nach Gailhabaud], 
welche nur dazu dienen kann, den Text verständlicher zu machen, ist zu 
beachten, dass die Eintheilungen der Wandgemälde darin mit aufgenommen sind.
        

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