Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969641
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Italienische 
Architektur. 
Offenbar sind dem Meister dieses Baues die nordischen Bau- 
schulen des Uebergangsstyles nicht fremd geblieben. Die Strebe- 
pfeiler an den äussern Ecken, die starke Vertiefung der Portale, 
die Rippen des Gewölbes und der Gedanke, diese Rippen durch 
über einander gestellte Säulen auf den Boden zurück zu führen, 
lassen daran keinen Zweifel. ln keinem italienischen Bau War 
bisher die Verticale so stark betont, wie hier. Anch der Spitzbogen 
kommt, wie in unsern Uebergangsbanten, nicht zur Zier, sondern 
äals kräftige Stütze, in Lünetten am Anfange der Kuppel, vor. 
Dagegen beruht die consequente Anwendung des graden Gebälkes 
an allen Gallerien und ebenso der Nischenbau des Innern (dieser 
yielleicht durch Vermittelung des Baptisteriums von Novara) auf 
antiker Tradition. Aber darauf beschränken sich auch die Studien 
der Antike, von jenem ahnenden Verständniss antiker Ornamen- 
tation, wie es sich in Toscana erhielt, ist keine Spur. Die korin- 
thisirenden Kapitäle sind nicht anders wie in andern gleichzeitigen 
Bauten, und wechseln mit VViirfelknäufen und phantastischen For- 
Amen in fast gleicher Zahl. Das grade Gebälk der Gallerien selbst 
hat nicht den entferntesten Anklang an antike Bildung; es ist ganz 
flach, ohne ausladendes Gesims, giebt daher keinen Abschluss, 
sondern drückt auf den Säulenreihen und lässt uns den leichten 
Schwung der Bögen vermissen. Im Innern ist der verticale Zu- 
sammenhang vorwaltend, und selbst im Aeussern giebt die mo- 
notone Wiederholung der flachen Säulenreiherl keine kräftige 
Horizontaltheilung. Der Meister hat es an Ueberlegung und Stu- 
dien nicht fehlen lassen, aber sein VVerk ist ein misslungener 
Versuch, antike Elemente mit dem Hochstrebenden der nordischen 
Schulen zu verbinden, und nur dadurch von grosser historischer 
Bedeutung, weil es zeigt, wie sehr man das Bedürfniss fühlte, 
aus dem bisherigen Schwanken und dem Spiel phantastischer 
Willkür heraus zu einer festem Basis zu gelangen. 
Da es auf diesem eklektischen Wege selbst einem so scharf 
denkenden Kopfe missglückt war, blieb kaum etwas Anderes 
übrig, als sich der nordischen Kunst, die grade um diese Zeit 
sich mächtig hob, näher anzuschliessen. Eine Reihe datirterWerke 
zeigt, dass man wirklich auf diesem Wege fortschritt. 
Zuerst ist hier der Dom von Trient zu nennen, der aller-
        

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