Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969579
Baptisterium 
ZU 
Gravedona. 
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waren stets eine mit Vorliebe behandelte Aufgabe der Architekten 
gewesen. Schon unter den ältesten dieser Gegend sind sehr ver- 
schieden gestaltete. Das von Asti  ist vielseitig mit einem innern, 
die Kuppel tragenden Säulenkranze, das von Ve rona ungewöhn- 
licher Weise eine dreischiHige Anlage. Die Mehrzahl ist zwar 
nach dem Vorbilde Constantins unmittelbar in die Umgebungen 
der Kathedrale eingebaut und aehteckig gestaltet; so in Chiavenna, 
'l'orcello, N ovara; aber schon unter diesem linden sich künstliche 
Anlagen, wie denn schon das von Novara, dem sogen. Tempel 
der Minerva Medica auf dem Esquilin in Rom und einem Tempel 
im Diocletianspalast zu Spalatro ähnlich, durch acht vertretende 
Mauerpfeiler in eben so viele Nischen getheilt ist. In noch grösserer 
Mannigfaltigkeit treten sie im XII. Jahrhundert auf. Ein merk- 
würdiges Beispiel von der Originalität, mit denen diese italieni- 
schen Meister selbst an entlegenen Stellen und bei geringen Mit- 
teln verfahren, gewährt das Kirchlein am N ordende des Comersees, 
in Gravedona, welches, "obgleich es den Namen S. Maria 
antica führt, augenscheinlich als Baptisterium der daneben 
stehenden Pfarrkirche errichtet war  Eine Kuppel anzulegen 
war dem Meister aus Sparsamkeit oder aus anderen Gründen 
versagt; er gab daher seinem Bau die quadratische, der graden 
Decke besser angemessene Gestalt, wusste nun aber doch durch 
eine ebenso sinnreiche als wirkungsvolle Anordnung es einem 
Centralbau ähnlich zu machen. Auf drei Seiten des V ierecks tritt 
nämlich je eine mit Wandarcaden reich verzierte, halbkreisförmige 
Apsis, auf der vierten (westlichen) der Gloekenthurm heraus ßsm), 
4') Asti und Novara bei Osten Taf. 5, 6, 14. Ghiavenna und Verona bei 
Lübke in den Mitthl. V. S. 113, 134. Torcello und der Tempel in Spalatro 
bei Aginc. Taf. 25, F. 31 u. Taf. 63 F. 6, 7. 
w") Abbildungen mit einem Aufsatze Eitelbergefs in den Mitthlg. d. k. k, 
O. O. Band lV. S. 5b" E. und von Lühke daselbst Band V. S. 116. Der Tauf- 
brunnen, welcher sich [jetzt in erneuerter Gestalt) in der Mitte des Gebäudes 
befindet, ist in den Grundrissen beider Publicationen fortgelassen. Auch der 
Umstand, dass die Concha mit Gemälden aus der Geschichte Johannes des 
Täufers geschmückt ist, weist auf die Bestimmung des Gebäudes hin. 
 Die Verbindung eines Thurmes mit dem Baptisterium ist, wie Lübke 
a. a. 0. richtig bemerkt, ungewöhnlich, so viel mir bekannt, kein zweites 
Mal vorkommend. Allein da die dicht daneben liegende Hauptkirche keinen 
vn. 8
        

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