Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969561
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Italienische 
Architektur. 
energisch gebildeter Löwen tragen einen zur Ausstellung von 
Heiligthümern oder zu Anreden bestimmten, von einem auf einer 
zweiten Säulenstellung ruhenden Dache bedeckten Balkon. Ueber 
oder neben diesen Vorhallen sind dann bald mehr bald weniger 
ausgebreitete Zwerggallerieen angebracht, darüber entweder die 
grosse Fensterrose oder auch eine zweite Arcadenreihe, die dann 
aber nicht unmittelbar auf der ersten, sondern erst nach einer, 
durch keinen augenscheinlichen Grund bedingten Lücke folgt, 
auch gewöhnlich von jener untern spielend abweicht. Und endlich 
schliesst sich jenem breiten Giebel eine solche Gallerie an, von 
gleichhohen aber auf stufenweise aufsteigender Basis stehenden 
Säulen gebildet. Neben diesen durchweg vereinzelt auf der Fläche 
schwebenden Zierfoimen sind dann noch wohl vermehrte Lisenen, 
kleinere Bundfenster, Rundbogenfriese und Aehrlliches oder auch 
wohl phantastische Sculpturen angebracht, namentlich pflegen die 
Portale und die V orhallen mit solchen geschmückt zu seine). 
Der Charakter dieser Facaden ist daher keinesweges so regel- 
mässig, anmuthig und milde, wie der jenertoscanischen, sondern 
eher pikant, fast wild, und es konnte nicht fehlen, dass man sich 
bei allem Reize dieser phantastischen Gestaltungen doch nach 
einem klarem Principe besserer Anordnung umsah. 
Von den Bestrebungen der zweiten Hälfte des XII. Jahrhun- 
derts erhalten wir fast nur durch kleinere Werke Auskunft. Dem 
Bedürfnisse nach grossen Kathedralen war durch die in der ersten 
Hälfte des Jahrhunderts oder früher begonnenen grandiosen, oft 
noch unvollendeten oder gar der Aenderung unterworfenen An- 
lagen abgeholfen und man schritt nun zur Ausstattung ihrer Um- 
gebungen. Namentlich entstanden um diese Zeit eine Reihe von 
Baptisterien. Diese kleinen Gebäude, deren Bestimmung als 
Umrahmung des 'l'aufbeckens sich am besten in kreisähnlicher 
Gestalt ausspricht und sich zu reicherer Ausstattung empfiehlt, 
4') Abbildungen solcher Faqaden, der Dome zu Modem, Parma, Piacenza 
bei Osten, Bauwerke der Lombardei Taf. 35, 37, '23, der Dome zu Verona, 
Ferrara, Piacenza, Parma, S. Michele zu Pavia bei Hope Taf. 27-32, der 
Kirchen zu Pavia bei Agincourt Taf. 24 Nro. 15, Taf. 64 Nro. G, der (nur 
in ihrem untem Theile erhaltenen] des Doms zu Cremona in den mittelalterl. 
Kunstdenkm. des österr. Kaiserstaates II. Taf.19. S. auch oben IV. 2. S. 192. 213.
        

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