Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969518
Lombardei. 
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rose und einem zweitheiligen obern Fenster ausgestattet ist, be- 
weist auch hier, wie diese Brüder trotz der Anhänglichkeit an die 
Gebräuche ihres Ordens im Interesse anständiger Einfachheit sich 
überall die Laudesformexi anzueignen wussten. Auch die Kloster- 
bauten von Fossanova, Casamari und Ferentino in der Sabina, 
sämmtlich gegen Ende des XII. oder im Anfange des XIII. Jahr- 
hunderts neu erbaut, zeigen diesen französischen Stylit) und selbst 
dicht bei Rom trägt die Kirche S. Vincenzo alle tre fontane, 
Welche, nachdem sie in die Hände der Cistercienser gekommen 
war, 1221 auf 's Neue geweiht wurde, ein fremdes Gepräge, ob- 
gleich die klugeu Mönche, sich der Landessitte fügend, hier auf 
Gewölbe verzichteten und sogar den Fenstern statt des Glases 
nach alterthümlicher Weise durchlöcherte Marmorscheiben gaben. 
Da indessen diese Klosterbauten keinen erheblichen Eindruck 
machten und wenig oder keine Nachahmung fanden, so dienten 
sie nur dazu, die Mannigfaltigkeit stylistischer Mischung zujver- 
mehren. 
In der Lom bardei hatten schon die antiken Gebäude nicht 
ganz denselben Charakter gehabt, wie in jenen südlichen Regio- 
nen. Obgleich prachtvoll und grossartig, waren sie doch bei der 
Entfernung des Meeres mid der Marmorbrüche von Carrara nicht 
so reich mit kostbaren Materialien geschmückt gewesen. Auch 
mochten sie durch die häufigeren Kriege mehr zerstört, durch die 
dichtere Bevölkerung der Städte früher verbraucht sein. Die Be- 
wohner hatten daher bei ihren Bauten schon frühe nicht die ver- 
tiihrerische Gelegenheit, sie aus fertigen Fragmenten zusammenzu- 
setzen und wurden nicht in dem Grade an das Farbenspiel edler Mar- 
morarten, an die Anmuth antiker Decoration gewöhnt. Ihre Bau- 
meister waren vielmehr auf Backsteine oder auf das unscheinbare 
i") Ricci Stor. dell" Arch. Il. p. 40. Die Kirche von Casamari wurde 
1'217 geweiht, die von Fossanova ist im XVII. Jahrh. theiweise modernisirt. 
Von beiden bemerkt er, dass sie in einem Style "tendente a1l' arco acuto" 
gebaut seien, und von dem dreischiffigen Kapitelsaal (oder Refectorium?) von 
Casamari versichert er, er biete alles, was der Spitzbogenstyl an Eleganz und 
Solidität leiste. Witte im Kunstbl. 1825 a. a. O. rühmt auch die Kirche als 
reizenden Bau nordisch-gothischen Styls. Ich selbst bin leider nicht dahin 
gelangt.
        

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