Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969464
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Italienische 
Architektur. 
Die beiden Seitenportale sind ungleich, das südliche ist sogar 
höher als das Mittelportal; diese Portale sind von sehr zarter Aus- 
führung, während das Badfeilster darüber sehr derb behandelt 
und dabei im Durchmesser fast eben so gross wie das Mittelportal 
ist, so dass es schwer auf demselben lastet. Es ist vollkommene 
Anarchie; jeder der ausführenden Meister hat in seiner Art etwas 
Schönes und Anziehendes geliefert, aber keiner sich um den an- 
dern gekümmert. In der Ornamentation mischen sich verschiedene 
Elemente, neben antiken Rundstämmen und prächtigen Akanthns- 
blättern kommen Ringsäulen, Dambrettmuster, spröde Zick- 
zacklinien, die an normannische Bauten erinnern, und dann wieder 
byzantinisch-orientalische Yersclilingungen vor. An der Facade 
der andern alten Kirche der Stadt, S. Pietroik), sind dieselben 
Motive regelmässiger ausgebildet, auch ist sie durch einen Giebel 
gekrönt, aber die Verhältnisse sind ganz ähnlich und die Sculptur 
enthält dieselben divergirenden Elemente. 
Dass hier wirklich auch ein fremder Einfluss zum Grunde 
liegt, ergeben die Bauten von C orneto, namentlich die Kirche 
S. Maria di Ca stello , welche nach den Inschriften zwar schon 
1121 gegründet sein soll, aber ihre jetzige Gestalt gewiss erst in 
der zweiten Hälfte des Jahrhunderts erhielt und 1'208, also unge- 
fähr gleichzeitig mit S. Maria von Toscanella, geweiht wurde. 
Um so mehr fällt ihre gänzliche Verschiedenheit von derselben. 
ja von allen Kirchen dieser Gegend auf. Sie ist nämlich völlig 
überwölbt, auf einer Stelle mit einer ovalen Kuppel, sonst durch- 
weg mit fast qundraten, rundbogigen, mit schweren rechtwinke- 
ligen Rippen versehenen Kreuzgewölben, wie die lombartlischeir 
Kirchen, mit denen sie aber sonst nichts gemein, sondern einen 
sehr eigenthümlicheix Charakter hat. Gleiche, viereckige, ziemlich 
eng gestellte Pfeiler, auf starkem Kämpfergesimse durch über- 
höhete, eingekerbte Rundbögen verbunden, scheiden die Schiffe 
und tragen in den Haupt- und Seitenschiflizn mittelst der Vorlage 
eines starken Pilasters mit zwei diagonal gestellten Rundsäuleil 
die Gewölbrippen. Aber wunderlicher Weise ist auch an den 
Zwisehenpfeilern des Mittelschiffes eine Halbsäule von gleicher 
Höhe mit jenen Gewölbdiensten vorgelegt, deren Kapitäl, da hier 
Ü) Gally Knight I. 36.
        

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