Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969377
Basiliken 
Roms. 
93 
die erste beider Kirchen, Wo schon das überkräftige Verhältniss 
der wahrscheinlich aus dem alten Bau übernommenen herrlichen 
ionischen Säulen, dann die Vermehrung ihrer Zahl durch Ein- 
fügung korinthischer, endlich die Anordnung des 'l'riumphbogens, 
der auf zwei vertretenden gewaltigen korinthischen Säulen von 
rothem Granit vermittelst eines reich verzierten antiken Gebälk- 
stückes ruht, ungeachtet der Gravität der altchristlichen Anlage 
Anklänge romantischer, ritterlicher Empfindung zeigt. S. Criso- 
gono macht einen ruhigeren Eindruck, aber auch hier tragen die 
prächtigen Granit- und Porphyrsäulen, wie in S. Maria, statt der 
Bögen grades Gebälk. Dies kommt auch sonst jetzt häutiger vor, 
so an der Vorhalle in S. Vincenzo alle tre fontane, laut Inschrift 
von 1140, und in der von S. Giorgio in Velabro, wo die bessere 
Aufführung auf das XIII. Jahrhundert schliessen lässt f). 
Dieser Wiederaufnahme antiker Formen lag nun freilich kein 
tieferes Studium zum Grunde; mit den alten Römern in der 
Grossartigkeit der Construction, im Adel der Verhältnisse zu 
wetteifern, fiel ihren Nachkommen nicht ein. Eine Stadt, in der 
die Grossen noch gern in antiken Grabmonumenten oder 'l'heatern 
wohnten, wo man überhaupt nur mit alten Fragmenten baute, War 
keine Schule für Architekten. Wohl aber erzeugten die Verhält- 
nisse eine blühende Schule des Kunsthandwerks. Rom galt seit 
alter Zeit als eine Fundgrube verarbeiteten Marmors, aus der die 
Baulustigen ilaher und entfernter Gegend sich versorgten im), und 
es war natürlich, dass es ein Geschäftszweig wurde, die edeln 
Steine aus den Trümmern hervorzusuchen und ztveckmässig zu 
verwenden. Die römischen Künstler waren daher weder Bau- 
meister noch Bildhauer, sondern, wie sie sich selbst nannten, Mar- 
morarii, marmoris arte periti; der Marmor war nicht bloss Mittel, 
sondern Zweck, es kam darauf an, ihn so zu benutzen, dass er 
in stofflicher Beziehung den Gebäuden zur Zierde gereiche. Da 
der Kirche. Das Maasswerk der rundbogigen Oberlichter rührt aus einer 
spätem Reparatur vom Ende des XIII. oder vom XIV. Jahrh. her. 
i") Vgl. die Vorhalle von S. Georgio bei Gailhabaud Band II., die andern 
genannten Gebäude (mit Ausnahme von S. Criscgono) bei Gutensohn und 
Knapp Basiliken. Die Inschrift in S. Giorgio giebt leider keine chronologische 
Bestimmung. 
 Vgl. das Beispiel von Monte Cassino. Bd. IV. Q. P' 54?-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.