Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969367
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italienische 
Architektur. 
Materials fromme Empfindungen erweckten. Dazu kam, dass Rom 
bei seiner zunehmenden Entvölkerung nicht neuer Stiftungen, 
sondern nur der Herstellung älterer bedurfte, denen man denn 
auch gern den Ausdruck ihres ehrwürdigen Alters liess. Ein 
Antrieb zur Bildung eines neuen Styls War daher überall nicht, 
auch in den politischen Verhältnissen nicht vorhanden, da die 
ewige Stadt sich fortwährend zwischen anarchischen Zuständen 
und Träumen von ihrer einstigen Grösse bewegte. Auch da, wo 
es zu einem völligen Neubau der verfallenden alten Kirchen kam, 
wurden sie daher fortwährend nach dem bisherigen Systeme mit 
mannigfach verschiedenen Säulen und Kapitälen, kahlen Wänden, 
rundbogigen Oberlichtern und offenem Dachstuhle, meist aber auch 
mit dem ernsten Schmuck eines grossen Mosaikbildes in der Tri- 
bune errichtet. S. Clemente i), mit der noch ganz erhaltenen in- 
nern Einrichtung, S. Crisogono und S. Maria in Trastevere, 
S. Maria in Araceli sind Beispiele dieser Art aus dem XII. Jahr- 
hundert, und das angebaute Langhans von S. Lorenzo fuori le 
mura gehört sogar schon dem XIII. an. Nur in feinen Zügen be- 
merkt man die Verschiedenheit dieser Basiliken von den frühem. 
Die Verhältnisse der mittlern Höhe und Breite sind geringer, die 
Fenster weiter, im Gegensatz gegen die ruhige und naive Haltung 
der ältern Basiliken, wo man eher in Leere, als in Ueberfiillung 
fiel, macht sich jetzt eine Neigung für schwere, gedrängte, derbere 
Zusammenstellungen und Formen geltend. Das individuelle Ge-v 
fühl der Künstler tritt stärker und verschiedenartiger hervor, und 
zeigt sich bald in einer bunteren, mit Bewusstsein gewählten 
Mannigfaltigkeit, bald in einem stärkeren Anlehnen an antike 
Form, das aber niemals consequent durchgeführt wird. Bedeu- 
tende und günstige Beispiele dieses spätem römischen Styls sind 
die genannten beiden Kirchen von Trastevere, S. Maria und 
S. Crisogono, beide bald nach 1139 begonnen und im Laufe 
des XII. Jahrhunderts vollendet Besonders characteristisch ist 
i") Dass S. Clemente wirklich aus dem XII. Jahrh. stammt, unterliegt nach 
der Entdeckung (1857) der darunter erhaltenen älteren Kirche keinem Zweifel. 
Vgl. übrigens über diese und die andern im Texte genannten Kirchen die 
Beschreibung Roms, Band III. 
M") S. Maria wurde zwar erst unter Innocenz III. (1198-1216) geweiht, 
aber in dem Mosaikbilde der Tribüne erscheint Innocenz II. als der Stifter
        

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