Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der bildenden Künste im Mittelalter: Das Mittelalter Italiens und die Grenzgebiete der abendländischen Kunst
Person:
Schnaase, Carl
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-968007
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-969353
Pieve 
VOII 
Arezzo. 
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einer Arcade, also auf dem Leeren steht. Dazu kommt aber dann 
noch das phantastische Formenspiel an den Säulen; nicht bloss, 
dass reich verzierte, gewundene, kannellirte mit glatten, gekuppelte 
oder vierfach verschlungene Schäfte mit einfachen wechseln, son- 
dern auch eine Menge Thiergestalten und Ungeheuer sind hinein- 
gemischt, theils an den Kapitälen, theils als Träger der Säulen- 
füsse, theils endlich sogar karyatidenartig an Stelle der Säulen. 
Die Sculptur dieser Thiere ist keineswegs stumpf oder misslungen, 
der Reichthnm an phantastischen Bildungen sogar zu bewundern, 
aber das Uebermaass wilder Details und der Mangel einer über- 
sichtlichen Anordnung zerstören denn doch jede architektonische 
Wirkung, und man kann Vasari nicht Unrecht geben, wenn er 
dies Gebäude "nicht bloss ausserhalb der guten antiken Ordnung, 
sondern fast jedes richtigen und verständigen Verhältnisses" lin- 
det. Der Grund dieser Verirrung war offenbar das Bedürfniss 
nach pikanten, neuen Formen, nach subjectiven phantastischen 
Aeusserungen, für die der hergebrachte Styl mit seiner Horizontal- 
theilung keine Stelle bot. Man konnte weder die Zahl der hori- 
zontalen Reihen noch die der Säulen in ihnen noch mehr ver- 
mehren, noch endlich diesen eine grössere Bedeutsamkeit beilegen, 
ohne in Uebermaass und Verwirrung zu gerathen. Man verlangte 
etwas, was dieser Styl nicht gewährte, und glaubte in Ermange- 
lung eines weiterer Entwickelung fähigen Systems sich allen 
phantastischen Einfällen überlassen zu dürfen. 
Im Kirchenstaate war ein solcher Zustand architekto- 
nischer Gesetzlosigkeit schon hergebracht. Je näher an Rom, 
desto reicher waren die Städte an antiken Gebäuden oder Ruinen, 
Welche theils durch ihren Anblick, theils durch das fertige Ma- 
terial, das sie darboten, Auge und Sinn an den Reiz willkürlich 
verbundener Prachtstücke und den Mangel strengerer achitekto- 
nischer Einheit gewöhnten. In Rom selbst hatte dies Verfahren 
eine gewisse Berechtigung, ja selbst Weihe, weil die ältesten 
und ehrwürdigsten Heiligthiimer, welche Rom besass und die 
Christenheit verehrte, schon ebenso aus Fragmenten erbaut waren, 
und gerade durch die anspruchslose Vereinigung des prachtvollen
        

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